Der Verein für Hof – in Bayern ganz oben.

180 Ehrenamtliche engagieren sich für die Hofer Tafel

Rund 180 ehrenamtliche Helfer sorgen dafür, dass sich 830 Haushalte in Hof und Umgebung bei der Hofer Tafel für ein symbolisches Entgelt mit Lebensmitteln versorgen können. Unser Bild zeigt einen Teil von ihnen: (von links) Tom Sperling, Tatjana Rammensee, Cornelia Häusinger, stellvertretender Vorsitzender Dieter Langheinrich, Vorsitzender Roland Jahn, Ingrid Krause und Ehrenvorsitzender Dr. Friedrich Sticht

Rund 180 ehrenamtliche Helfer sorgen dafür, dass sich 830 Haushalte in Hof und Umgebung bei der Hofer Tafel für ein symbolisches Entgelt mit Lebensmitteln versorgen können. Unser Bild zeigt einen Teil von ihnen: (von links) Tom Sperling, Tatjana Rammensee, Cornelia Häusinger, stellvertretender Vorsitzender Dieter Langheinrich, Vorsitzender Roland Jahn, Ingrid Krause und Ehrenvorsitzender Dr. Friedrich Sticht

Die Hofer Tafel kannte Roland Jahn bis vor fünf Jahren nur vom Vorbeifahren: „Wenn ich am Samstagnachmittag auf dem Weg zum Bayernplatz war, sind mir immer die Menschentrauben vor dem Gebäude aufgefallen.“ Heute ist Jahn Vorsitzender der Hofer Tafel und mittendrin im Geschehen, wenn am Samstag hunderte bedürftige Menschen Lebensmittel für sich und ihre Familien abholen.
Was das Team der Hofer Tafel Woche für Woche in den Räumen in der Jägerzeile auf die Beine stellt, sieht nicht nur nach einem professionellen Lebensmittelmarkt aus, sondern muss tatsächlich genau diesen Ansprüchen gerecht werden: „Wie alle anderen Märkte auch, müssen wir uns mit Themen wie Berufsgenossenschaft, Arbeitssicherheit und Lebensmittelverordnungen auseinandersetzen“, erklärt Roland Jahn. „Gerade die Lebensmittelverordnungen werden von uns sogar übererfüllt, weil wir mit so genannten ,nicht mehr marktgängigen Lebensmitteln‘ zu tun haben sowie zum Teil mit älteren oder gesundheitlich angeschlagenen Kunden. Wir müssen deshalb mit äußerster Sorgfalt umgehen und unsere Mitarbeiter ordentlich schulen.“
Diese Mitarbeiter, die sich an sechs Tagen pro Woche – von Montag um 7.30 Uhr bis Samstag um 17.30 Uhr – um Warenannahme, Sichtung, Sortierung, Lagerung sowie samstags um den Verkauf kümmern, sind, wie auch Roland Jahn selbst, fast alle ehrenamtlich tätig. Der Verein Hofer Tafel zählt aktuell 33 Mitglieder; ehrenamtliche Helfer gibt es rund 180. Die „nicht marktgängigen Lebensmittel“, die hier an den Mann gebracht werden, sind keineswegs unansehnlich oder alt.
„Viele Märkte sortieren Produkte inzwischen lange vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums aus“, weiß Jahn. Erstklassige, verzehrfähige Lebensmittel vor der Vernichtung zu bewahren, war für ihn einer der Gründe, sich nach seinem Abschied aus dem Berufsleben im Jahr 2011 bei der Hofer Tafel zu engagieren. „Ein Vormittag pro Woche geht schon“, habe er damals gedacht, und dank seiner vorangegangenen Tätigkeit als Geschäftsführer eines großen Unternehmens mit seinem Blick fürs Praktische so manchen Ablauf optimiert.
„Der Roland kann eben keine halben Sachen machen“, schmunzelt Dr. Friedrich Sticht, Mitgründer der Hofer Tafel und Jahns Vorgänger im Vorstand. Aus einem Vormittag pro Woche wurden schnell zwei oder drei, und dann „hat sich das irgendwie alles so ergeben“. Die Arbeit für die Hofer Tafel macht Roland Jahn große Freude. Das liege am „tollen Vereinsleben und Miteinander der vielen ehrenamtlichen Helfer“, am Kontakt mit den Kunden, von denen Jahn im Lauf der Jahre viele als „nette und sehr sympathische Menschen“ kennengelernt hat, und auch am freundschaftlichen Verhältnis mit anderen Tafeln der Region, wo man sich gegenseitig aushilft oder Überbestände verteilt.
Mit insgesamt vier Bussen sammeln die Mitarbeiter der Hofer Tafel täglich regional sowie teilweise überregional in Großmengen Lebensmittel ein, die andernfalls vernichtet werden müssten. „Im vergangenen Jahr waren wir insgesamt 70.000 Kilometer unterwegs“, berichtet Dieter Langheinrich, stellvertretender Vorsitzender der Hofer Tafel. Auch er suchte nach seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben nach einer sinnvollen Beschäftigung und hilft nun gemeinsam mit seiner Frau schon seit Jahren bei der Hofer Tafel mit.
Manchmal handelt es sich bei den Lebensmitteln, die Langheinrich und die anderen Fahrer einsammeln, auch um falsch etikettierte und damit nicht verkaufsfähige Ware oder Bestände aus dem Transportwesen, die zu spät ausgeliefert oder bei Unfällen beschädigt wurden. „Wir haben uns so nach und nach überall bekannt gemacht und verschiedene Quellen erschlossen“, erzählt Roland Jahn.
Im Jahr 2014 haben die deutschen Tafeln auf diese Weise 200.000 Tonnen Lebensmittel vor dem Wegwerfen bewahrt. Die Hofer Tafel erreicht mit ihren Haupt-Ausgabeorten Hof, Naila, Rehau und Schwarzenbach insgesamt rund 830 Haushalte mit etwa 1500 Personen – vom Ein-Personen-Haushalt bis hin zur 13-köpfigen Großfamilie. 930 Tüten mit Lebensmitteln, jede davon rund 5 Kilo schwer und gefüllt mit verschiedensten Lebensmitteln im Wert von mindestens 25 bis 30 Euro, werden Woche für Woche an Menschen ausgegeben, die sich zuvor ihre Bedürftigkeit bei einem der Sozialverbände Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie oder Rotes Kreuz bescheinigen lassen müssen.
Zwei Dinge sind den Mitarbeitern der Hofer Tafel dabei besonders wichtig: Dass die Kunden selbst auswählen können, was sie mitnehmen möchten, und dass die Lebensmittel nicht verschenkt werden, sondern zu einem symbolischen Preis von 2 Euro pro Tüte verkauft. Welchem Haushalt wie viele Tüten zustehen, legen ebenfalls die Wohlfahrtsverbände fest.
Kunden der Hofer Tafel sind nicht nur Asylbewerber oder Flüchtlinge, sondern auch viele Einheimische. „Anfangs gab es da vielleicht eine gewisse Scheu“, erzählt Dr. Sticht. „Aber die ist auf jeden Fall zurückgegangen. Es ist keineswegs ehrenrührig, bei uns Lebensmittel zu kaufen.“ Im vergangenen Jahr hat die Hofer Tafel insgesamt 57.000 Tüten ausgegeben. Roland Jahn hat für die jüngsten zwölf Monate einen um 20 Prozent gestiegenen Bedarf ermittelt.
Dementsprechend müssen auch mehr Lebensmittel besorgt, geprüft und gelagert werden. Der große Dienstplan im Mitarbeiter-Zimmer, in dem sich die ehrenamtlichen Helfer je nach ihren Möglichkeiten selbst eintragen, füllt sich in der Regel schnell. „Jeder packt da an, wo es nötig ist“, erzählt der Vorsitzende. „Von der Arbeit mit den Lebensmitteln über das Putzen des Aufenthaltsraums oder Geschirr spülen bis hin zum Kassieren.“ Im Bereich der Fahrer allerdings würde sich Jahn noch mehr Unterstützung wünschen, denn ehrenamtliche Mitarbeiter, die 3,5-Tonner fahren können und dürfen, und außerdem auch beim Verladen von Kisten oder Paletten mit Hand anlegen können, sind selten.
Dr. Friedrich Sticht erinnert sich noch gut an die Anfänge der Hofer Tafel im ehemaligen Gasthaus Inkurabel in Hof vor rund zehn Jahren. Die „Fahrzeug-Flotte“ bestand zunächst aus einem alten VW-Bus der Diakonie. Später gab es dann drei Fahrzeuge, und die Lebensmittel wurden in zwei Kühlzellen gelagert. 250 Tüten habe man damals pro Woche ausgebeben.
Ganz anders kommt der heutige Markt in der Jägerzeile mit vier großen Kühlzellen, vier Tiefkühl-Truhen und vier großen Fahrzeugen daher. Das ist umso beachtlicher, als sich der Betrieb der Hofer Tafel aus Spenden und gelegentlichen Gerichtszuweisungen finanziert. Lebensmittel werden nicht zugekauft – beziehungsweise nur, wenn Spender das ausdrücklich wünschen, beispielsweise zur Weihnachtszeit für Kinder. Apropos: Einen größeren Posten noch lange haltbares Rotkraut hat Roland Jahn bereits gesichert und eingelagert. Rechtzeitig vor Weihnachten werden er und seine Mitstreiter sich um Kloßteig und festtagstaugliches Fleisch bemühen, damit die Kunden der Hofer Tafel sich über ein gutes Weihnachtsessen freuen dürfen. Sandra Langer

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