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Hofer Rathaus feiert 450. Geburtstag

Das Hofer Rathaus, Mittelpunkt der Stadtpolitik und markanter Orientierungspunkt der heutigen Innenstadt, wurde einen Tag vor dem Heiligen Abend offiziell stolze 450 Jahre alt. Das Hofer Stadtarchiv weist als Tag der Rathauseinweihung den 23.12.1566 aus. Es ist damit eines der ältesten Gebäude der Stadt. In seiner Geschichte hat es nicht nur mehrere Stadtbrände überstanden, sondern auch unterschiedlichste Funktionen erfüllt. Sein Vorgängerbau diente zeitgleich auch als Polizeistation und Kaufhaus.
Ein Hofer Rathaus ist erstmals im Jahr 1502 schriftlich dokumentiert. Das Hofer Landbuch, das die Einkünfte und Rechte des Landesherrn in und um Hof aufführt, erwähnt es mehrfach. Wann das Rathaus erbaut wurde, ist aber unbekannt. Vermutungen richten sich auf das 14. Jahrhundert, denn die damals schon existierenden städtischen Gremien mussten sich schließlich irgendwo treffen. „Es ist kaum anzunehmen, dass sie in Privatwohnungen oder Gaststätten tagten oder im Schloss des Landesherrn. Wir wissen bis heute nicht, wie das Gebäude aussah“, so Hofs Stadtarchivar Dr. Arnd Kluge.
Der Chronist Friedrich Ebert vermutete in seiner Hofer Baugeschichte, es habe wie ein normales Bürgerhaus ausgesehen, was aber mit der bekannten Nutzung des Hauses nicht übereinstimmt. Es befand sich ungefähr an der Stelle, an der auch das heutige Rathaus steht, aber wohl ein paar Meter weiter straßenabwärts. Dieser Punkt liegt im Plan der Hofer Neustadt sehr zentral, nämlich genau zwischen den beiden Toren im Süden und Norden und den Wohnsiedlungen im Osten und Westen.
Doch wie wurde ein Rathaus damals genutzt? Im Erdgeschoss („unter dem Rathaus“), also vielleicht in offenen Laubengängen, befanden sich die sogenannten Brotbänke. Die Bäcker waren verpflichtet, hier ihre Waren anzubieten. So wollte man sicherstellen, dass sie nicht schummelten. Brötchen und Brot kosteten immer dasselbe, variierten aber in der Größe, abhängig vom Mehlpreis. In teuren Zeiten buken die Bäcker die sprichwörtlichen „kleinen Brötchen“. Um das Verhältnis von Mehlpreis und Produktgröße korrekt berechnen zu können, beauftragte man 1544 den berühmten Rechenmeister Adam Ries aus Annaberg mit der Erstellung einer Brotordnung. Eine Waage im Rathaus gab den Kunden sodann die Möglichkeit, die Bäcker zu kontrollieren.
Außerdem war im Erdgeschoss eine Büttelstube, also eine Polizeistation mit Arrestzelle, untergebracht, wo auch die ein oder andere Folterung stattfand. Am 19. Dezember 1514 ließ der amtierende Bürgermeister Nicol Elbel einen seiner drei Kollegen, den reichen Caspar Geilßdorf, verhaften und ins Rathausgefängnis legen, weil er Elbel als Lügner bezeichnet hatte. Im Schlafanzug wurde Geilßdorf zwei Tage lang im kalten Loch eingesperrt, bis der Markgraf auf Bitten von dessen Verwandtschaft seine Befreiung verfügte. Stattdessen wurde Elbel eingesperrt, den die Stadt – ebenfalls nach zwei Tagen – mit 300 Gulden freikaufen musste.
Im Obergeschoss war die Ratsstube, in welcher der Stadtrat seine Sitzungen abhielt – zumindest dies hat sich bis heute nicht geändert. Ebenfalls im Obergeschoss („auf dem Rathaus“) handelten Schuhmacher, Lederschneider, Gewandschneider und Tuchmacher an den Wochen- und Jahrmärkten. Noch Jean Pauls Großvater, ein Tuchmacher, hatte um 1770 seinen Jahrmarktsstand im Rathaus. Während auf Märkten unter freiem Himmel normalerweise offene Stände („Bänke“) benutzt wurden, ließ man diese Gewerbe in das Rathaus, weil ihre Waren keinen Regen oder Schnee vertrugen. Die Metzger arbeiteten in einem besonderen Gebäude, wo sie schlachteten und verkauften. Im Obergeschoss des Rathauses fanden außerdem gesellschaftliche Ereignisse wie Empfänge und Bälle und private Feiern statt.
Die Stadt nutzte das Gebäude für ihre Zwecke, seiner eigentlichen Hauptfunktion als Kaufhaus gemäß gehörte es aber dem Landesherrn, der die Standgebühren der Gewerbetreibenden kassierte. Als es baufällig geworden war, schenkte es der Landesherr, der sich nach dem verlorenen Krieg von 1553 in finanziellen Schwierigkeiten befand, 1560 der Stadt. Seit diesem Jahr mussten die Bürger eine Steuer an den Landesherrn abführen, die vorher bei der Stadt verblieben war. Als großzügiges Entgegenkommen gab der Landesherr ihnen das immer mehr heruntergekommene Rathaus. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…
Trotzdem schafften es die Hofer unter Leitung des bekannten Architekten Nickel Hoffmann schließlich zu dem Neubau, dessen Grundform wir heute noch als unser Hofer Rathaus kennen.
Bis zu seiner Einweihung 1566 hatte der Bau über 20.000 Gulden gekostet. Außerdem hatten die Bürger in Frondiensten selbst Hand angelegt. Extra für das neue Rathaus hatte man den Kalksteinbruch am Sand, auf dessen Gelände sich heute die Meinel-Brauerei befindet, abgebaut. Aus einem schmalen Pfad zwischen Saale und Steinbruch wurde auf diese Weise ein befahrbarer Weg. Da Transporte damals sehr teuer waren, trug der nahe Steinbruch erheblich zum Sparen bei. Trotzdem war der Bau kostspielig: Bedenkt man, dass man damals ein Einfamilienhaus für einen dreistelligen Betrag (in Gulden) kaufen konnte, so kann man die Ausgaben für das Rathaus nach heutigem Geldwert auf einen zweistelligen Euro-Millionenbetrag schätzen.
In seiner Geschichte hat das Hofer Rathaus fortan einige einschneidende Ereignisse, wie zum Beispiel die großen Stadtbrände, überdauert. Auch gibt es aus der Überlieferung viele bemerkenswerte Geschichten zu erzählen. Aus diesem Grund produziert die Stadt Hof aktuell eine eigene Broschüre über das historische Rathausgebäude, welche Anfang 2017 erscheinen soll.

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