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Im Frühling der Bauer den Traktor anschmeißt

Ernst Seidel auf seinem Lieblingstraktor „Schlüter SF 450“. Der 56 Jahre alte passionierte Traktorsammler und -fahrer aus Schwingen bei Schwarzenbach/Saale wirkt im Verein Traktor-Kult als Vorstand und zusammen mit allen anderen Akteuren als Leiter des Traktormuseums. Fotos: privat

Ernst Seidel auf seinem Lieblingstraktor „Schlüter SF 450“. Der 56 Jahre alte passionierte Traktorsammler und -fahrer aus Schwingen bei Schwarzenbach/Saale wirkt im Verein Traktor-Kult als Vorstand und zusammen mit allen anderen Akteuren als Leiter des Traktormuseums. Fotos: privat

Die Rösslein werden schon lange nicht mehr eingespannt, wenn Bauern im Frühjahr ihre Felder bestellen. Die meisten Landwirte schwingen sich auf ihren Traktor, und selbst bei dieser Art der Feldbewirtschaftung ist inzwischen viel Nostalgie im Spiel, wenn man an die Anfänge der Motorisierung zurückdenkt. In Schwarzenbach an der Saale im Landkreis Hof haben Fans von Oldtimer-Traktoren ein Museum aufgebaut, das auch international für Aufsehen sorgt. Wir haben nachgefragt bei Ernst Seidel, dem Vorsitzenden des Vereins Traktor-Kult, der das Traktormuseum am Bahnhof in Schwarzenbach betreibt:

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie im Frühling den ersten Traktor auf einem Feld sehen?
Es kribbelt im Bauch und juckt in den Fingern, denn Oldtimer-Schlepper fahren nicht im Winter.

Woher kommt Ihre persönliche Begeisterung für Traktoren?
Seit meiner Kindheit bin ich „schlepperfasziniert“, denn ich stamme aus einer Landwirtschaft.

Blick ins Traktormuseum: Auch eine stattliche Sammlung von Mini-Traktoren kann man bestaunen.

Blick ins Traktormuseum: Auch eine stattliche Sammlung von Mini-Traktoren kann man bestaunen.

Fahren Sie selbst einen?
Ob ich einen habe? Ich besitze rund 40 eigene Oldtimertraktoren. Und unser Verein hat insgesamt etwa 180 historische Schlepper.

Wie kam es zur Gründung des Vereins Traktor-Kult?
Ein lange gehegter Traum von Ernst Seidel, Max Lauterbach und Walter Raithel wurde 2006 endlich Wirklichkeit. Man war sich schon immer einig, dass die „Schätzchen“ zu schade sind, um in den diversen Scheunen in Dunkelhaft zu stehen.

Wie viele Mitglieder haben Sie? Wie oft treffen Sie sich, und was wird dann besprochen?
Unsere Mitgliedszahl beträgt aktuell 19 Mann. Jeden ersten Donnerstag im Monat ist ab 20 bis etwa 22 Uhr ein offener Stammtisch im Vereinszimmer des Museums. Die Gespräche kreisen immer um Traktoren und alte landwirtschaftliche Maschinen. Es werden Vereinsaktivitäten besprochen, geplant und dann auch ausgeführt. Meist geht es darum, das Museum immer weiter zu entwickeln.

Wann und wie entstand die Idee für das Museum?
Entscheidend für das Entstehen des Museums waren der sehr gute Draht zur Stadt Schwarzenbach und die leer stehende Güterhalle am Bahnhof. Man war sich schnell einig und gründete im Vorfeld den gemeinnützigen Verein Traktor-Kult e. V.

Welche Hindernisse galt es zu überwinden, bis das Museum eröffnet werden konnte?
Das Gebäude gab die Stadt gerne und problemlos, aber der Zustand barg viele Baustellen. Vom Dach bis in den Keller und hin zu den Außenanlagen war alles reparaturbedürftig. In unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden, mit der Hilfe von ortsansässigen Handwerkern und mit sehr sehr viel Geduld der Ehefrauen und Familien wurde innerhalb kurzer Zeit das Schmuckstück Traktormuseum verwirklicht.

Beim Traktortreffen alle zwei Jahre in Schwarzenbach / Saale sind auch außergewöhnliche Oldtimer zu sehen – wie hier ein stationärer Schlütermotor. Für den interessiert sich ein bekannter Gast: der Schauspieler Dieter Fischer aus „Die Rosenheim-Cops“ (Vierter von rechts).

Beim Traktortreffen alle zwei Jahre in Schwarzenbach / Saale sind auch außergewöhnliche Oldtimer zu sehen – wie hier ein stationärer Schlütermotor. Für den interessiert sich ein bekannter Gast: der Schauspieler Dieter Fischer aus „Die Rosenheim-Cops“ (Vierter von rechts).

Was bietet Ihr Museum alles?
Wir zeigen alte Schlepper vom Lanz bis zum Deutz, vom Fahr bis zum Schlüter. Auch Raritäten wie Hürlimann sind zu finden, außerdem historische Landmaschinen und ein Highlight, das seinesgleichen sucht: eine Miniaturensammlung von etwa 1.200 Einzelstücken. Weitere Besonderheiten sind die Stationärmotoren und die Tafeln mit den Firmengeschichten der einzelnen deutschen Traktorenbauer.

Wie reagieren Ihre Besucher auf Ihr Museum?
Die Kinder staunen, und die Älteren schwelgen in Kindheitserinnerungen.

Lernen Sie auch immer wieder neue Traktor-Fans kennen?
Die Fangemeinde wächst stetig.

Wie viele Besucher kamen seit der Eröffnung im Jahr 2008?
Das Museum ist zwölf mal im Jahr immer am ersten Sonntag im Monat geöffnet. Durchschnittlich kamen bis dato etwa 3.600 Besucher. Zuzüglich Sonderöffnungen für Gruppen oder Kindergärten kann man nochmals 1.000 Besucher hinzuzählen. Nicht eingerechnet sind die Gäste zu den im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindenden Traktortreffen – da kommen jedes Mal etwa 600 Besucher mit und ohne Schlepper.

Von wo überall kommen die Besucher zu Ihnen?
Die Besucher kommen aus der Region, aus ganz Deutschland aber auch aus Tschechien, Polen, den USA und letztes Jahr erstmals auch aus Kuwait.

Wie viel Traktoren werden beim Vereinsumzug am 14. Juli dabei sein?
Etwa 15 Traktoren plus weitere zwei bis drei Traktoren mit Mann und Hängern von anderen Vereinen. Vor dem Vereinsumzug steht aber erst mal am 7. Mai unser 5. Traktortreffen an.
Manfred Köhler

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