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Intensive Auseinandersetzung mit dem Tod

Im September begann ein neuer Kurs für Hospizhelfer. Unser Foto zeigt die Teilnehmer zusammen mit einem der Kursleiter, Norbert Lummer (Dritter von rechts), Koordinator der Hofer Hospizvereins.

Im September begann ein neuer Kurs für Hospizhelfer. Unser Foto zeigt die Teilnehmer zusammen mit einem der Kursleiter, Norbert Lummer (Dritter von rechts), Koordinator der Hofer Hospizvereins.

Was ist Leben? Was ist Sterben? Und was ist der Tod? Mit diesen Fragen setzen sich die Teilnehmer des Hospizhelfer-Kurses vom Hofer Hospizverein sehr persönlich und intensiv auseinander. „Dieser Kurs macht etwas mit den Menschen“, weiß Torsten Stelzer, Koordinator beim Hospizverein und einer der Kursleiter. Und das ist auch gut so, denn am Ende des Kurses wollen die frisch gebackenen Hospizhelfer schwerstkranken Menschen auf ihrem letzten Weg zur Seite stehen.

Dafür muss man wieder bei dem ankommen, was dem Menschen zwar in die Wiege gelegt ist, was er aber in unserer Zeit der Konformität und Gleichschaltung so gerne vergisst: getreu dem Motto des Vereins „Menschen als Mensch nahe sein“. Stelzer nennt es „radikale Akzeptanz“. Ein Hospizhelfer ist ganz für sein Gegenüber da, spürt sich in die Situation und den Menschen ein, schätzt ihn wert, wie er ist, mit all seinen Ansichten und Meinungen, die nicht immer die eigenen sein müssen. Er hört zu, fragt nach, und stellt sich gemeinsam mit dem Sterbenden dessen Ängsten.
Auch ganz praktische Dinge wie Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht stehen im Hospizhelfer-Kurs auf dem Programm. „Jeder will eine schreiben – und keiner hat eine geschrieben“, weiß Stelzer. Und hat gleichzeitig Verständnis, denn die Themen, die diese Dinge anrühren, können Menschen Angst machen. „Darüber sprechen wir ausführlich.“
Auch wie man sich selbst oder andere Menschen auf das Sterben und den Tod vorbereiten kann, wie man mit Sterbenden und deren Angehörigen spricht, sind Themen des Kurses. Wie geht man mit Trennung, Verlust und Abschied um? Wie mit der eigenen Hilflosigkeit angesichts dieser Themen? An 22 Abenden kommen so über 100 Stunden Unterricht zusammen, und zusätzlich absolvieren die Kursteilnehmer 20 Praktikumsstunden auf der Palliativstation des Hofer Sana Klinikums oder im Hospiz in Naila.
Dabei werden die Neulinge von Ehrenamtlichen betreut, die dort bereits länger im Dienst stehen. Auch die Koordinatoren des Hospizvereins und Kursleiter – neben Torsten Stelzer sind das Ines Backmann und Norbert Lummer – stehen stets als Ansprechpartner zur Verfügung. Das Thema Supervision ist ein wichtiges in der Hospizarbeit; auch die erfahrenen Koordinatoren selbst nehmen dieses Angebot regelmäßig in Anspruch.
„Wichtige Themen des Kurses und unserer Schulungen sind der Umgang mit den eigenen Grenzen und die Achtsamkeit gegenüber sich selbst“, sagt Koordinatorin Backmann. Ihr größter Wunsch ist es, dass sich noch viel mehr Menschen in der Hospizarbeit einbringen: „Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich viele Menschen nicht trauen, weil sie irgendein Ideal vor Augen haben. Dabei kann jeder diese Arbeit machen, und jeder ist willkommen, ob jung oder alt. Wir brauchen ganz verschiedene Charaktere aus allen denkbaren Schichten, um diese Arbeit leisten zu können.“
Die Kurs-Absolventen entscheiden am Ende der Ausbildung selbst, ob sie in Privathaushalten, in Alten- und Pflegeheimen, auf der Palliativstation oder im Hospiz in Naila tätig werden wollen – oder ob sie erst einmal gar nicht ins Ehrenamt eintreten und die Erfahrungen und Gespräche in sich nachwirken lassen. Wer sich für den Dienst als Hospizhelfer entscheidet, wird in die Kartei der Koordinatoren aufgenommen. Denn die Erstgespräche mit den Klienten führen immer die Koordinatoren, die sich ein Bild von dem hilfesuchenden Menschen und dessen Situation machen, und dann nach einem passenden Begleiter suchen.
„Das kriegen wir in der Regel ganz gut hin“, berichtet Torsten Stelzer. Und sollte die Chemie dennoch einmal nicht stimmen, hat der Hospizhelfer natürlich jederzeit die Möglichkeit, die Begleitung abzubrechen. Nicht nur die begleiteten Menschen, sondern auch die Begleiter selbst profitieren von jedem Einsatz, sind sich Stelzer und Backmann sicher. Schon seit Beginn seiner früheren Arbeit als Krankenpfleger auf Krebs- und Intensivstationen hat Torsten Stelzer regelmäßig mit dem Thema Tod zu tun. Trotzdem sagt er mit Überzeugung: „Ich gehe nie unglücklich aus der Arbeit heraus.“ Sandra Langer

 

Wer sich mit dem Gedanken trägt, Hospizhelfer zu werden, kann sich im Rahmen der Info-Abende des Hofer Hospizvereins über die Arbeit der Hospizhelfer und den jährlichen Hospizhelfer-Kurs informieren. Die Infoabend-Termine für das kommende Jahr sind der 3. Mai und der 28. Juni (jeweils um 20 Uhr in der Münch-Ferber-Villa). Der nächste Kurs beginnt dann am 21. September 2018 und umfasst 22 Abende Theorie (immer donnerstags) sowie 20 Stunden Praktikum. Mehr Infos über den Verein und dessen Angebote gibt es im Internet unter www.hospizverein-hof.de.

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