Der Verein für Hof – in Bayern ganz oben.

awalla: Große Pläne für ein dauerhaftes Provisorium

Die besten Partys enden in der Küche. „Oft ist ein Provisorium besser als etwas Geplantes!“ – das meinen auch Thiemo Wagner, Christopher Witzig und Gaby Kaminski. Sie stehen dem Verein „awalla“ vor; und sie haben große, haben großartige Pläne, um die Stadt Hof zu beleben: Auf 600 Quadratmetern Grund der Hoftex in der Fabrikzeile errichten sie am Saalestrand ein Kultur- und Begegnungszentrum aus Containern. In dieser Container-Burg mit urbanem Upcycling-Flair wollen sie alle Nationen und Generationen und überhaupt alle erdenklichen Gruppierungen und Vereine aus Hof und Umgebung zusammenführen. Eröffnung feiern sie voraussichtlich Mitte Juni rund um zunächst zwei improvisiert aufgestellte Container und einige mobile Catering-Stationen.

Auf dem Parkplatz in der Fabrikzeile wird awalla entstehen (auf der rechteckigen Parkplatzfläche ganz unten rechts direkt am Saaleufer)

Auf dem Parkplatz in der Fabrikzeile wird awalla entstehen (auf der rechteckigen Parkplatzfläche ganz unten rechts direkt am Saaleufer)

„Der Holzmarkt in Berlin entstand auch in einer Bauphase über vier Jahre, war aber vom ersten Tag an offen – und so soll es auch bei uns sein: Die Leute sollen den Fortschritt mitbekommen!“, erklärt Christopher Witzig. Hört man ihm und seinem Vorstandskollegen Thiemo Wagner, beide erst 22 und 26 Jahre alt, bei der Vorstellung ihres Projekts zu, wird man sofort infiziert von der Idee, für die sie brennen. Wie eine Utopie klingt der Plan von der langsam, aber stetig wachsenden Container-Anlage am Saaleufer, die Gastronomie mit der Vermarktung regionaler Produkte, der Durchführung von Workshops, künstlerisch-kreativ-sportlichen Aktivitäten mit der Präsentation regionaler Firmen, aber auch kultureller Gruppierungen und Vereinen verbinden möchte.
Das besonders Faszinierende daran: Es handelt sich bei den Visionen der awalla-Vorstände nicht um Luftschlösser, sondern um ein Projekt, das sie seit eineinhalb Jahren aufs genaueste durchdacht, geplant und kalkuliert vorantreiben. Das angestrebte Netzwerk knüpfen sie nämlich schon seit dem Zeitpunkt, als die beiden aufstrebenden Jungunternehmer Gaby Kaminski beim Stammtisch des Stadtmarketings Hof kennengelernt haben. Kaminski stellte dort unter dem Namen „Contain“ die Projektidee für einen Container-Komplex nach dem Vorbild von „Frau Gerolds Garten“ in Zürich vor – wofür Wagner und Witzig sofort Feuer und Flamme waren und die Zusammenarbeit für das spätere Projekt „awalla“ begann.

Thiemo Wagner, Gaby Kaminski und Christopher Witzig (von links) am Saaleufer, wo awalla entstehen wird.

Thiemo Wagner, Gaby Kaminski und Christopher Witzig (von links) am Saaleufer, wo awalla entstehen wird.

„Seitdem haben wir Experten aus allen möglichen Fachbereichen von Gastronomen über Bildungseinrichtungen bis hin zu Ämtern und vielen weiteren mit ins Boot geholt. Das sind alles Leute, die für sich schon exzellente Arbeit leisten und als Netzwerk zum Gelingen des Projekts beitragen“, erklärt Thiemo Wagner. Ziel des am 21. August 2017 gegründeten Vereins „awalla“ mit aktuell 30 Mitgliedern ist es, einen „Ort voller Lebensfreude mitten in der Stadt“ zu erschaffen. Dafür ist das Areal in den Saaleauen perfekt geeignet, da es in einem Radius von etwa einem Kilometer von der gesamten Innenstadt aus auch zu Fuß zu erreichen ist.
„Wie haben als gebürtige Hofer während unseres Studiums an der hiesigen Hochschule erlebt, was sich vor allem die Studenten in Hof wünschen: weniger Nörgler und mehr Aktivitäten und Belebung der Innenstadt“, erzählt Christopher Witzig. Viele Studenten fliehen an den Wochenenden aus der Stadt. Deshalb hat sich „awalla“ zum Ziel gesetzt, einen zentralen Ort zu erschaffen, an dem sich alles vernetzt, man gemütlich zusammensitzen, sich informieren, regionale Produkte kaufen und immer etwas erleben kann. „Vieles soll wirklich überraschend passieren: Alle Generationen treffen sich bei „awalla“, und plötzlich gibt es ohne Ankündigung zum Beispiel eine künstlerische Aktion. Wir wollen ein „awalla-Gefühl“ erschaffen!“, träumt Christopher Witzig.
„Dabei profitieren alle voneinander, denn jeder erreicht durch die Vernetzung auch ein anderes, neues Publikum. Man kann immer kommen, und es wird immer etwas Cooles geboten“ – so die Vision von Thiemo Wagner. Von einer geplanten Kletterwand des Alpenvereins schwärmen die Macher ebenso wie von gastronomischen Angeboten durch immer wieder wechselnde Gastronomen. „Und nebenbei würden wird auch dazu beitragen, die Saale zu einer pulsierenden Achse zu machen, die Filzfabrik, HofBad, awalla, eine geplante E-Bike-Station am ehemaligen Fernwehpark, Eisteich und Meinels Bas mit neu entstehender Boots-Anlegestelle verbindet. Vielleicht könnte man eines Tages alle Attraktionen sogar durch eine Kanustrecke verknüpfen!“, so Wagner.

Der erste Container wurde bereits gestiftet.

Der erste Container wurde bereits gestiftet.

Bieten will „awalla“ Belebung der Stadt Hof, ein Schaufenster für regionale Produkte und Firmen, eine spannende Naherholungsmöglichkeit, Impulse für die Innenstadtbelebung und nicht zuletzt einen weichen Stadtortfaktor, der vielleicht den einen oder anderen Studenten derart begeistert, dass er ihn nach dem Studium zum Bleiben in der Region animiert. „Insgesamt ist „awalla“ ein sehr günstiges Werkzeug für das, was es bieten soll – und es soll letztendlich auch auf Stadt und Landkreis und noch weiter ausstrahlen“, meint Thiemo Wagner.
Den ersten Container hat bereits die Firma Contargo aus Hof gespendet – aber das ist nur ein Anfang. „awalla“ braucht noch viele Finanzmittel, Baustoffe von Stahlträgern bis zu Containern, Zäunen, Türen und Treppen; technische Ausstattung wie Fernseher, Beamer, Leinwände, Klimaanlagen, Pflanzen, Pflanzbehälter (um beispielsweise auch mit dem bereits bestehenden Urban Gardening zu kooperieren), Möbel, Terrassenbeläge, Seile, und, und, und. Da ein wichtiger Bestandteil des Projekts Upcycling ist, sind auch gebrauchte Güter herzlich willkommen. Außerdem fußt das Projekt neben Sach- und Geldspenden auf einem bald startenden Crowdfunding bei der VR-Bank Hof, Einnahmen aus dem Tagesgeschäft und Förderprogrammen für gemeinnützige Vereine. „Das ist ein Projekt von allen für alle Hofer – und wir hoffen, dass das viele erkennen!“, resümiert Christopher Witzig.
Weitere Informationen unter www.awalla.org. Christine Wild

 

Was bedeutet „awalla“?
Vor mehreren Jahren hat Architekt Uwe Fickenscher für eine große regionale Firma einen Raum realisiert, der eigentlich nur als Provisorium gedacht war – auf Hoferisch gesagt: „Mach ma’s awalla so!“. Jenes Provisorium bleibt nun seit Jahren bestehen, weil es sich bewährt hat. „Und genauso soll auch „awalla“ sein: ein ständig wachsendes, sich veränderndes, nie fertig werdendes Provisorium, das man eben „awalla“ so macht!“, erklären Thiemo Wagner und Christopher Witzig.

Wer steht hinter „awalla“?
Thiemo Wagner, der 1. Vorsitzende von „awalla“, ist 26 Jahre alt und hat während seines Medieninformatikstudiums gemeinsam mit dem Kameramann Michael Throne vor drei Jahren die Filmproduktionsfirma „Indivisual“ in Hof gegründet. Seit 2015 betreibt er außerdem gemeinsam mit Chistopher Witzig (22 Jahre), dem Schatzmeister von „awalla“, die Hofer Eventagentur „Lola“, die Events mit elektronischer Musik veranstaltet. Witzig schließt gerade sein Studium in Wirtschaftsrecht an der Hochschule Hof ab und arbeitet für ein Getränke-StartUp in Wiesbaden. 2. Vorsitzende von „awalla“ ist Gaby Kaminski. Die 56-jährige arbeitet als Lerntrainerin und ist an der Offenen Ganztagsschule am Schiller-Gymnasium beschäftigt.

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