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Hofer Tafel: „Wir retten Lebensmittel“

Die Kunden der Hofer Tafel bezahlen für eine Tüte Lebensmittel einen symbolischen Preis von zwei Euro. Was sie mitnehmen, können sie selbst aussuchen. Alle Waren sind noch top in Ordnung und genießbar. Unser Bild zeigt den Inhalt einer solchen Tüte.

Die Kunden der Hofer Tafel bezahlen für eine Tüte Lebensmittel einen symbolischen Preis von zwei Euro. Was sie mitnehmen, können sie selbst aussuchen. Alle Waren sind noch top in Ordnung und genießbar. Unser Bild zeigt den Inhalt einer solchen Tüte.

„Wir sind unserer Zeit immer etwas hinterher“, schmunzelt Roland Jahn – und meint das rein kulinarisch. Denn während bei den ersten Menschen langsam Frühlingsgefühle aufkommen, gibt die Hofer Tafel die letzten Lebkuchen aus; an den ersten sommerlichen Tagen freuen sich die Kunden über Osterhasen und -eier. Die Tafelbewegung wird heuer 25 Jahre alt, nimmt sich aber zweier Probleme an, die heute brisanter sind denn je: der sinnlosen tonnenweisen Vernichtung unverdorbener, qualitativ einwandfreier Lebensmittel und der Bedürftigkeit von Menschen, die nicht wissen, wie sie sich und ihre Familie gesund ernähren sollen.

„Wir retten Lebensmittel“, sagt Roland Jahn, Vorsitzender der Hofer Tafel, die mit ihren vier Ausgabestellen in Hof, Naila, Rehau und Schwarzenbach an der Saale rund 850 Haushalte mit etwa 1500 Personen versorgt – vom Ein-Personen-Haushalt bis hin zur 13-köpfigen Großfamilie. Wer sich bei einem der Sozialverbände Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie oder Rotes Kreuz einen Berechtigungsschein organisiert, bekommt ein Mal pro Woche bei der Tafel, je nach Personenzahl im Haushalt, eine oder mehrere Tüten voll mit verschiedensten Lebensmitteln.
Zwei Dinge sind Jahn und seinen Mitstreitern dabei wichtig: Die Kunden bezahlen pro Tüte einen symbolischen Preis von zwei Euro. Und sie dürfen selbst auswählen, was sie mitnehmen möchten. „Jeder wird bei uns gleich behandelt“, betont Jahn. „Gegenseitiger Respekt, Anerkennung und Toleranz sind Werte, die Mitarbeiter wie Kunden gleichermaßen achten wollen und müssen.“ Das funktioniert in dem kulturell wie religiös bunt gemischten, internationalen Team der rund 180 ehrenamtlichen Helfer wunderbar – und in der Regel auch bei der Tafel-Kundschaft.
Wenn dem einmal nicht so ist, findet Jahn auf seine besonnene und herzliche Art die richtigen Worte, um Missstimmungen zu schlichten. Doch im Zweifelsfall zögert er auch nicht, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen – „was allerdings so gut wie nie nötig ist“. So mancher Tafel-Kunde war von dem munteren Miteinander der Helfer so beeindruckt, dass er selbst zum Helferteam gestoßen ist. „Uns ist jeder herzlich willkommen.“
Eines hören Jahn und seine Kollegen immer wieder: „Da stehen lauter dicke Autos auf dem Parkplatz und gut gekleidete Menschen holen umsonst Essen ab – als ob die das nötig hätten…“ Ein Thema, bei dem Roland Jahn doch ein bisschen seiner Seelenruhe verliert: „Ich lade diese Menschen ein, sich nicht nur im Vorbeifahren eine Meinung zu bilden, sondern sich das Geschehen einen ganzen Tag lang anzusehen.“ Man dürfe so etwas nicht generalisieren, und die Tafel-Kunden bekämen ihren Berechtigungsschein nicht ohne Grund. „Viele Kunden, gerade ältere Menschen, können außerdem gar nicht selbst kommen und schicken jemanden aus der Nachbarschaft vorbei, um die Tüten abzuholen. Andere sind betreuungsbedürftig und werden von einem Fahr- oder Begleitdienst gebracht.“
Auch wenn der kleine Supermarkt der Hofer Tafel in der Jägerzeile in Hof für Tafel-Kunden nur am Samstag von 11 bis 16 Uhr geöffnet hat, herrscht dort täglich reges Treiben: Die ehrenamtlichen Mitarbeiter kümmern sich, gemeinsam mit vier geringfügig Beschäftigten, an sechs Tagen pro Woche um Warenannahme, Sichtung, Sortierung und Lagerung von Lebensmitteln, die überwiegend im Müll landen würden, wenn es die Tafel nicht gäbe. Und das obwohl es sich keineswegs um unansehnliche, alte oder gar verdorbene Ware handelt.
„Viele Märkte sortieren Produkte inzwischen lange vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums aus“, weiß Jahn. Mit insgesamt vier Bussen sammeln die Mitarbeiter der Hofer Tafel täglich regional sowie teilweise überregional bei Handwerk, Handel und Großhandel Lebensmittel ein, die andernfalls vernichtet werden müssten. Weil die Tafeln untereinander gut vernetzt sind, profitieren oft auch andere, kleinere Tafeln in der Region von dem großen Netz an Zulieferern, das sich die Hofer Tafel in den vergangenen Jahren erschlossen hat.
Weggeworfen wird bei der Hofer Tafel so gut wie nichts. Sind am Samstagnachmittag nach dem Verkauf Waren übrig, die nicht bis zur nächsten Woche eingelagert werden können, dürfen sich zunächst die Mitarbeiter der Tafel bedienen. Dann sind die Mitglieder der Hofer Foodsharing-Szene an der Reihe, und schließlich erhalten Damwild- und Fischzüchter aus der Region, was sie noch gebrauchen können. Roland Jahn ist sich sicher: „So lange es Bedürftigkeit gibt und so lange es Lebensmittel zu retten gilt, wird es die Tafeln weiterhin geben.“ Sandra Langer

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