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Obstbaumschnitt im April: (k)eine Kunst

Gerhard Trapper, Vorsitzender der Baumpfleger, in seinem Element. Fachkundige Anleitung zum richtigen Obstbaumschnitt gibt er allen Interessierten auf der Streuobstwiese in Wachholderbusch am 7. April. Foto: Hilmar Bogler

Gerhard Trapper, Vorsitzender der Baumpfleger, in seinem Element. Fachkundige Anleitung zum richtigen Obstbaumschnitt gibt er allen Interessierten auf der Streuobstwiese in Wachholderbusch am 7. April. Foto: Hilmar Bogler

Der Baum gilt als Sinnbild des Lebens. Und als solches hat er eine gewisse Aufmerksamkeit verdient. Vor allem, wenn er als Obstbaum unseren Garten ziert und von ihm ein gesunder, aromatischer Fruchtertrag erwartet wird. Dafür muss man sich zum Beispiel regelmäßig dem Baumkronengerüst widmen.

Pralle Äpfel, knallrote Kirschen, verführerische Pflaumen … Darauf freut sich der Naturliebhaber bei der Gartenbegehung im Frühling, beim Begutachten der Blütenpracht seiner Obstbäume. Damit der Ertrag auch nachhaltig gegeben ist und die Bäume nicht vorzeitig „struppig“ werden und „vergreisen“, kommt man nicht umhin, sich dem Thema „Obstbaumschnitt“ zu widmen. Bei Schnittdemonstrationen, die häufig die Gartenbauvereine in Stadt und Landkreis Hof kostenlos organisieren, kann man den Fachleuten bei der Praxis – zum Beispiel beim Schnitt auf Streuobstwiesen – über die Schulter blicken. Nächste Gelegenheit am 7. April um 9 Uhr oder für den Sommerschnitt am 20. Juli um 16 Uhr auf der Streuobstwiese in Wachholderbusch.
Außerdem gibt es jede Menge Fachliteratur und Informationen im Internet. Doch auch der Gang zum professionellen Landschaftsgärtner in der Umgebung kann sich lohnen.
Jetzt, im April, wenn die Temperaturen nachts weniger oft bis gar nicht mehr unter minus zwei oder minus drei Grad sinken, ist der optimale Zeitpunkt, Messer, Gartenschere sowie Säge rauszuholen und die Obstgehölze zurechtzustutzen. Nur so kann Licht und Luft in das Innere der Baumkrone dringen und der Baum muss keine unnötigen Energien in die Bildung von Laubtrieben fließen lassen. Hier, in Kürze, ein kleiner Leitfaden – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, und allgemein gehalten, denn je nach Alter der Bäume und der gewünschten Form brauchen die Gehölze natürlich unterschiedliche Maßnahmen:

  • Nie direkt am Stamm schneiden.
  • Kleine Wulst zwischen Seiten- und Hauptast stehen lassen – darin bleibt aktives Gewebe zur Wundheilung erhalten.
  • Größere Wunden des Rückschnitts (ab ca. drei Zentimeter Durchmesser) mit Baumwachs behandeln; kleinere Schnittstellen verheilen von selbst.
  • Beim Schneiden die Schere auf der oberen Seite des Astes ansetzen – an der meist deutlich sichtbaren Wulst.
  • Zweig an der Ansatzstelle oder hinter einem schon vorhandenen Seitenzweig abschneiden, so verteilt sich die Wuchskraft auf die verbleibenden Äste und Zweige.
  • Schräge Schnittführung, damit sich kein Regenwasser auf der Schnittstelle sammelt.
  • Überalterte Triebe sowie Triebe, die ins Innere der Pflanze wachsen, die sich kreuzen oder die aneinander reiben, entfernen.
  • Immer vor der Knospe schneiden und dabei nach außen gerichtete Knospen nehmen, damit der Neuaustrieb nicht nach innen wächst; außerdem nicht zu dicht an der Knospe Hand anlegen, sonst trocknet sie aus.
  • Keine größeren Aststümpfe stehen lassen – sie wären Eintrittspforten für Krankheitserreger.
  • Die Ertragszone bleibt im erdnahen Bereich, das heißt, man braucht zur Obsternte keine Leiter, wenn man zusätzlich zum sachgerechten Schnitt das Fruchtholz waagerecht bindet.
  • Regel beachten: je mehr Fruchtertrag, desto weniger Triebwachstum – je mehr Triebwachstum, desto weniger Fruchtertrag. Und: Zu starker Schnitt im Winter führt zu stärkerem Triebwachstum im Sommer.

Fazit: Obstbaumschnitt ist in seiner Ausführung wohl kein Hexenwerk – obwohl sich so mancher Gärtner mit nachweisbarem Erfolg auch nach dem Mondkalender richtet, aber ein bisschen Zeit braucht‘s schon, wenn man sich die pflanzlichen Lebensgewohnheiten verschiedener Baumsorten verinnerlichen will. Und sollte man in einem Jahr einmal keine Muse haben, sich mit Leiter und Schneidwerkzeug in den Garten zu begeben, kann man sich mit einem Zitat von Goethe beruhigen: „Es ist dafür gesorgt, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen.“
Sabine Schmidt

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