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Bald ist wieder Hofer Schlappentag

Mit ihren Kostümen und mit ihrem Gehabe wird die Zeit des Mittelalters wieder ganz präsent. Die Hussitenführung ist in diesem Jahr bereits am Samstag, 26. Mai, zu sehen und zu erleben. Fotos: Stefan Rompza

Mit ihren Kostümen und mit ihrem Gehabe wird die Zeit des Mittelalters wieder ganz präsent. Die Hussitenführung ist in diesem Jahr bereits am Samstag, 26. Mai, zu sehen und zu erleben. Fotos: Stefan Rompza

Jedes Jahr am Montag nach Trinitatis, dem Montag genau eine Woche nach Pfingsten – in diesem Jahr ist es der 28. Mai – findet der Hofer Schlappentag statt. Schlappenschießen, Hussiten und Schlappenbier kommen den meisten dabei sofort in den Sinn – doch was hat es genau auf sich mit diesem speziellen Hofer Lokalfeiertag?

Einer, der darüber sehr genau Bescheid weiß, ist Adrian Roßner. Schon seit seinem 16. Lebensjahr ist er in der Heimatforschung des Fichtelgebirges aktiv und hat seitdem mehrere Publikationen vorgelegt (jüngst eine Sammlung von 51 Sagen aus dem Fichtelgebirge unter dem Titel „Der Reiter ohne Kopf“), die sich mit der regionalen Geschichte ebenso befassen, wie mit lokalen Bräuchen und Sagen.
„Traditionen und Brauchtümer sind heutzutage wieder sehr wichtig für die Menschen, denn sie sind Identitäts-Anker in der kulturellen Vielfalt, in der wir leben. Dabei wird dabei oft viel vermischt“, stellt Adrian Roßner fest. So ist es seiner Meinung nach auch beim Schlappentag: Historisch geht die Tradition des Schlappenschießens auf die Zerstörung und Plünderung der Stadt Hof im Jahr 1430 durch die Hussiten zurück. Nachdem die Privilegierte Scheibenschützen-Gesellschaft 1432 Hof dann auch das Braurecht bekam, wurde zusätzlich das Schlappenbier gebraut. Erst später, irgendwann im Lauf des 19. Jahrhunderts, kam der Volksfestcharakter des Schlappentags hinzu.
„Heute ist der Schlappentag neben den Schlappenschießen und der Erinnerung an die Zerstörung Hofs gelebte Geselligkeit“, so Adrian Roßner. Und das findet er auch völlig in Ordnung: „Es ist gut und wichtig, sich an Traditionen zu erinnern, sie zu pflegen – und sie weiterzuentwickeln und ins Heute einzupassen, anstatt sie auszustellen und abzugrenzen.“
Voraussetzung für den Überfall der Hussiten im Jahr 1430 auf Hof sind die Ereignisse rund um den böhmischen Theologen und Reformator Jan Hus. Er hat sich bereits 100 Jahre vor Martin Luther dafür eingesetzt, dass sich die Kirche wieder auf ihren eigentlichen Kern besinnen sollte. Als er während des Konzils von Konstanz seine Lehre nicht widerrufen wollte, wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Jan Hus‘ Anhänger, die Hussiten, haben sich daraufhin radikalisiert und Kriegszüge, genannt „rauchende Spaziergänge“ durch Böhmen und Deutschland geführt.
1430 sind sie nach Hof gekommen und haben die Stadt eingeäschert. Als letztes Relikt des Überfalls kann man noch heute die Ruine der Kapelle auf dem Waldstein sehen, die von den Hussiten zerstört wurde. „Natürlich wollten sie rauben, plündern und sich rächen, aber die eigentliche Absicht, die dahinter stand, war eine reformatorische“, weiß Adrian Roßner.

Hussitenführung
Die Hussitenführung findet in diesem Jahr am Samstag, 26. Mai, statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Michaeliskirche. Eingeladen sind alle interessierten Erwachsenen und Kinder für einen Beitrag von 5 Euro pro Person.

Über diesen Konflikt wird er auch in diesem Jahr wieder ein Streitgespräch mit der braven Hofer Bürgerin alias Edith Tschöpe treten: Am Samstag vor dem Schlappentag, dem Trinitatis-Sonntag, findet nämlich die traditionelle Hussiten-Führung statt, bei der Adrian Roßner als Hussiten-Hauptmann dabei ist. Von der Michaeliskirche aus folgt der bunt-bewaffnete Zug dann von (ehemaligem) Kloster zu Kloster dem Weg der Hussiten. Dabei liefern sich die brave Hofer Bürgerin, die den Katholizismus vertritt, und der reformatorische Hussiten-Hauptmann in improvisierten, aber natürlich geschichtlich fundierten Dialogen scharfe Wort-Gefechte direkt an den Orten des historischen Geschehens, begegnen fast allen Hofer Gästeführern in unterschiedlichsten Rollen, und auch der ein oder andere lautstarke Pyro-Effekt sorgt für möglichst authentische Gefechts-Stimmung.
„Alle, die mit der Hofer Geschichte beschäftigt sind, treffen bei dieser Führung zusammen – und nicht nur wir Akteure haben dabei immer einen Wahnsinns Spaß, sondern auch die Zuschauer: Die Kinder nehme ich in mein Hussiten-Heer auf, erwachsene Gäste werden mit einbezogen, und wir machen auch das ein oder andere Späßchen“, verrät Adrian Roßner. „Die Art der Präsentation von Geschichte hat sich geändert, weshalb auch das Interesse an ihr wächst. Mich freut das sehr, denn ich möchte die Heimatforschung aus ihrem Elfenbeinturm herausholen“, so der junge Historiker.

In jedem Jahr nimmt die Teilnehmerzahl zu und die vielen prachtvollen Kostüme sind eine Augenweide.

In jedem Jahr nimmt die Teilnehmerzahl zu und die vielen prachtvollen Kostüme sind eine Augenweide.

Parallel zur Hussiten-Führung findet am Schlappen-Vortag das Schlappenschießen im Schießhäuschen statt. „Um Hof nach dem Hussiten-Überfall wieder aufzubauen, haben die Hofer den Markgrafen um eine Steuererleichterung für die nächsten zehn Jahre gebeten. Diese wurde von ihm auch bewilligt – jedoch nur unter der Voraussetzung, dass ab diesem Zeitpunkt alle Hofer Handwerker und Bürger einmal pro Jahr zu einer Schießübung antreten, um sich bei einem eventuellen nächsten Angriff besser verteidigen zu können“, erzählt Adrian Roßner.
Letztmöglicher Termin im Jahr war dabei der Montag nach Trinitatis. „Daher sind an jenem Tag die meisten von ihnen direkt vom Feld oder von der Arbeit – in großer Eile, da sie eigentlich gar keine Zeit dafür hatten – und mit den Arbeits-Schlappen, den typischen Holzschuhen, die zu jener Zeit getragen wurden, an den Füßen zur Schießübung gekommen; daraus bildete sich im Lauf der Jahre an diesem Tag ein ganzer Zug zum Schießhäuschen“, so Adrian Roßner. Aus dieser Tradition entstand der Schlappentag mit seinem Umzug.
Zum Schlappenschießen, das nach wie vor durch die Privilegierte Scheibenschützengesellschaft 1432 von Hof durchgeführt wird, sind noch heute Personen des öffentlichen Lebens, Handwerker und Schützen eingeladen. Geschossen wird mit einem Zimmerstutzen; und als Preis winkt dem Schlappenkönig zwar nicht ein Jahr Steuerfreiheit, aber immerhin ein Jahr kostenloses Parken auf allen öffentlichen Parkplätzen der Stadt Hof. Tritt übrigens ein eingeladener Teilnehmer nicht an, wird – analog zur Strafe, mit der man belegt wurde, wenn man früher die Schießübung versäumte – ein Bußgeld fällig. Umgehen kann dies der Eingeladene, indem er sich einen anonymen Schützen „kauft“. Seit 2015 findet außerdem im Anschluss an das Schlappenschießen ein öffentliches Bürger-Schießen (ohne Preis, doch darf der Sieger im Folgejahr am offiziellen Schlappenschießen teilnehmen) statt.

Beim Probendurchlauf in der Klosterstraße übergab ProHof-Vorsitzender Michael Maurer (Bildmitte) einen Scheck über 500 Euro. Damit soll der Kauf weiterer Kostüme unterstützt werden. Foto: Annette Köhler

Beim Probendurchlauf in der Klosterstraße übergab ProHof-Vorsitzender Michael Maurer (Bildmitte) einen Scheck über 500 Euro. Damit soll der Kauf weiterer Kostüme unterstützt werden. Foto: Annette Köhler

Der Schlappentag selbst beginnt mit morgendlichen Weckrufen unter so manchem Fenster, damit niemand die Versammlung der Handwerkszünfte und Schützen um 8 Uhr am Schießhäuschen verschläft. Nach gemeinsamem Zug zum Rathaus und einem Empfang durch den Oberbürgermeister und den Schützenkommissar startet dort um 9.45 Uhr der Festumzug mit Vertretern aus Politik, Handwerk und Schützen. Sobald der Festzug durch die ganze Stadt (über die Ludwigstraße, Altstadt, Luitpoldstraße, Marienstraße und Konrad-Adenauer-Platz) am Festplatz am Schießhäuschen eintrifft, wird das erste Fass Schlappenbier, ein süffiges Starkbier, angezapft und im Festzelt ausgeschenkt.
„Beim Schlappentag gelingt es, den Spagat zwischen der Erinnerung an die historischen Ereignisse und einem geselligen Volksfest nach wie vor zu verbinden, und das ist es, was den Hofer Schlappentag so besonders macht!“, resümiert Adrian Roßner. Christine Wild

Adrian Roßner
Der 26-jährige Adrian Roßner hat Anglistik und Geschichte für Lehramt in Bayreuth studiert und sein Studium 2017 mit dem Staatsexamen abgeschlossen. Als Referent für Heimat- und Brauchtumspflege ist er beim Fichtelgebirgsverein und als ehrenamtlicher Kreisarchivpfleger des Landkreises Hof aktiv. Ab 1. Mai beginnt er als Doktorand an der Universität Bayreuth, wo er auch als Dozent für englische Sprachwissenschaft und Didaktik angestellt ist, mit seiner Dissertation im Fachgebiet fränkische Landesgeschichte.

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