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Hospizverein: Café hilft Trauernden

„Das Leben geht weiter.“ Diese lapidare Weisheit, mit der gerne verschiedenste Arten von Unbill und Leid kommentiert werden, mag zwar stimmen. Menschen, die gerade um einen anderen lieben Menschen trauern, sehen das jedoch nicht so. Ihr Leben geht eben nicht weiter – jedenfalls nie mehr so, wie es einmal war.
„Trauer ist die tiefgreifendste Erfahrung, die es in unserem Leben gibt“, weiß Edeltraud Albrecht. Die Wölbattendorferin ist ausgebildete Trauerbegleiterin. Sie leitet seit vielen Jahren für den Hofer Hospizverein Trauergruppen und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in dieser schwierigen Phase des Lebens beizustehen. Im April startet der Hospizverein mit einem neuen Angebot für Trauernde: einem offenen Trauercafé.
„Hier muss man sich, anders als bei der Trauergruppe, nicht anmelden, sondern kann einfach vorbeikommen“, erklärt Edeltraud Albrecht. Es gibt auch kein festes Programm, sondern die Gäste sitzen – wie es der Name schon sagt – gemütlich und ungezwungen bei einer Tasse Kaffee oder Tee und einem Stück Kuchen beisammen. „Jeder ist willkommen, unabhängig von Alter, Konfession oder Herkunft. Und die Gäste können erzählen, neue Kontakte knüpfen, oder einfach nur da sitzen.“ Dabei sind alle Emotionen willkommen: „Wir wissen, wie das ist, wenn man zehn Mal das Gleiche erzählt, oder wenn man weinen muss – und wir können das aushalten. Im Trauercafé ist man unter Gleichgesinnten.“
Angehörige und Freunde sind mit trauernden Menschen oft überfordert. „Trauer bestimmt das Denken, Fühlen und Handeln über einen sehr langen Zeitraum“, weiß Albrecht. Immer und immer wieder beschäftigen den Trauernden die gleichen Gedanken. Ein gut gemeintes „Schalt doch mal ab!“ oder „Vergiss doch mal!“ von Angehörigen ist da wenig hilfreich.
„Im Trauercafé wollen wir Trost und Kraft für den Alltag finden“, beschreibt die Trauerbegleiterin die Intention des neuen Angebotes. Sie ist selbst gespannt, wie viele Menschen kommen, und wie die Treffen sich gestalten werden. „Natürlich können wir gerne über bestimmte Themen sprechen – beispielsweise über schwierige Jahrestage, an denen die Trauer immer wieder zurückkehrt, oder darüber, wie die Trauer das Familienleben beeinflusst. Aber eigentlich soll es kein Programm geben. Wir kommen einfach zusammen und sind füreinander da.“
Die Treffen sollen immer ein Mal im Monat montags von 15 bis 17 Uhr im Gemeindehaus von St. Lorenz stattfinden. Neben Edeltraud Albrecht sind auch Rita Frank und Silvia Duscher mit von der Partie; auch sie sind ausgebildete Trauerbegleiterinnen. „Was bei den Treffen gesprochen wird, dringt nicht nach außen“, verspricht Albrecht, denn die Menschen sollen sich öffnen können. „Eine Portion Mut gehört schon dazu“, weiß die Expertin. „Aber es kann einem auch unheimlich viel Kraft geben und man kann einander viel helfen.“ Sandra Langer

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