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Bei den Petrahn-Zwillingen dreht sich alles um die Musik

Die 14-lährigen Zwillinge Hanna und Jonah Petrahn spielen bereits seit elf Jahren Geige. Klavier kam dann mit fünf Jahre dazu. Foto: Christine Wild

Die 14-lährigen Zwillinge Hanna und Jonah Petrahn spielen bereits seit elf Jahren Geige. Klavier kam dann mit fünf Jahre dazu. Foto: Christine Wild

Geburtstagsfeier im Hause Petrahn in Wölbattendorf. Großeltern, Tante und Onkel sind zu Besuch – gute Gelegenheit für eine Gruppen-Aktivität: Zu fünft legt man nach dem Kaffeetrinken Hand an, um das Zweit-Klavier aus dem Gästezimmer ins Wohnzimmer zu transportieren, dessen Zentrum sowieso schon ein Flügel bildet. Aber in diesem Jahr steht auf dem musikalischen Programm der vierzehnjährigen Zwillinge Hanna und Jonah, die durch ihre großen musikalischen Erfolge in den vergangenen Jahren immer wieder begeisterte Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, die Teilnahme bei Jugend musiziert in der Kategorie „Spiel an zwei Klavieren“ – und mit Klavieren in zwei verschiedenen Räumen lässt sich das gemeinsame Programm nicht wirklich üben. Daher die spontane Räum-Aktion.

Auf die Frage, wie sie zur Musik gekommen sind, hat Hanna sofort eine Antwort: „Als wir mit drei Jahren mit Geigenspielen angefangen haben, waren wir natürlich zu jung für eine eigene Meinung! Aber unsere Familie war neu in Hof, Mama wollte mit Leuten ins Gespräch kommen – und da wir eh gern musiziert haben, hat sie uns für Geige angemeldet!“. Inzwischen hat Hanna eine eigene Meinung. Und die äußert sie klar und direkt, aber sympathisch und mit viel Humor.
Etwas zurückhaltender als seine Schwester erzählt Jonah schmunzelnd von der Papp-Geige, mit der die Geschwister bei Anke Oppelcz an der Musikschule der Hofer Symphoniker nach der Suzuki-Methode die Geigen-Grundhaltung gelernt haben, bevor sie mit fünf Jahren, ebenfalls an der Symphoniker-Musikschule, zusätzlich mit Klavierunterricht bei Tomoko Cosacchi begonnen haben. „Ich erinnere mich noch genau an die Stücke, die wir zu Beginn mit nur einem Finger gespielt haben – das hat mir gleich sehr viel Spaß gemacht!“, so Jonah.
Inzwischen, viele Wettbewerbe und erste Plätze bis auf Landes- und Bundesebene von Jugend musiziert später, spielen zwar beide nach wie vor beide Instrumente, jedoch hat sich das Klavier als Hannas und die Geige als Jonahs Lieblings- und Hauptinstrument herauskristallisiert. Während Jonah im Sommer sogar am Pre-College an der Musikhochschule Würzburg bei Professor Herwig Zack aufgenommen wurde, um sich auf sein angestrebtes Geigen-Studium perfekt vorzubereiten, betrachtet Hanna die Musik als reines Hobby.
„In der Grundschule hatten wir schon manchmal das Image als musikbesessene Menschen – aber das stimmt gar nicht!“, lacht Hanna. Aktuell besuchen die Zwillinge die neunte Klasse des G8 im naturwissenschaftlichen Zweig des Schillergymnasiums. Obwohl die Musik für die beiden in der Schule keine Rolle spielt, vermuten die Musiklehrer im Unterricht trotzdem oft: „Die Petrahns wissen das doch bestimmt!“ Das stimmt auch – aber trotzdem melden sie sich nicht ständig, denn, so Jonah lachend: „Ich will die anderen ja auch was sagen lassen!“.
Dem ausgeglichenen, freundlichen Jonah, dem man bei genauerem Hinsehen aber auch den Schalk im Nacken sitzen sieht, bleibt, obwohl er sich mit allen Gleichaltrigen gut versteht, wenig Zeit für Verabredungen mit Freunden. Immerhin übt er im Schnitt täglich zweieinhalb Stunden Geige und eine Stunde Klavier und verbringt jeden Samstag zusammen mit Mama Hee beim Pre-College in Würzburg. „Ich habe für das Geigenspielen sogar Tennis aufgegeben, weil sich das nicht gut verträgt“, verrät er.
Aber das stört Jonah nicht – er nimmt es für seinen Berufswunsch ebenso in Kauf wie die Tatsache, dass nach stundenlangem Geigenüben Beine, Arme, das Kinn und vor allem die Fingerkuppen schmerzen. „In der Schule halten mich alle für den Allerdiszipliniertesten, aber das viele Üben ist wie eine Gewohnheit für mich. Ich fühle mich eher komisch, wenn ich nicht spiele!“, so der Vierzehnjährige. „Und die „Opfer sind mein Mann und ich, denn am Wochenende üben die Kinder so viel, dass man irgendwann die schönste Musik nicht mehr hören mag und sich einfach nach Ruhe sehnt!“, lacht Hee Petrahn.
Während Jonah unter der Woche fast den gesamten Nachmittag mit Üben verbringt und erst gegen Abend mit Hausaufgaben und Lernen beginnt (aber trotzdem ein guter Schüler ist), steht für Hanna die Schule an erster Stelle. Im Gegensatz zu ihrem Bruder, der zwar kleine Übungspausen einlegt, die er zum Fußballspielen im Garten nutzt, übt sie immer dann, wann ihr gerade danach ist, und zwar maximal eine Stunde täglich auf jedem Instrument. „Für mich ist die Musik ein Hobby, das ich ausprobiert habe, und ich freue mich auch über die großen musikalischen Kenntnisse und Fertigkeiten, die ich inzwischen habe, aber es ist nicht meine Leidenschaft oder so. Ich identifiziere mich eher mit Schreiben und Lesen“, verrät die aufgeweckte Hanna. Auch Malen, Ballett und Theater zählt sie zu ihren Hobbys.
Im Gegensatz zum sehr rationalen Jonah, dessen Tagesablauf einer ganz klaren Struktur folgt und der dabei immer sein Ziel, Geiger zu werden, vor Augen hat, folgt Hanna eher spontanen Impulsen. Was sie später beruflich machen will? „Das weiß ich noch nicht, vielleicht etwas mit Literatur, Journalismus oder Politikwissenschaft – aber ich weiß schon ganz genau, was ich nicht machen will, nämlich Mathe, Physik, Wirtschaft, BWL oder Jura!“, sprudelt es aus ihr heraus.
Unterschiedlicher könnten Persönlichkeiten kaum sein – und trotzdem sagen die Zwillinge von sich, dass sie viel mehr sind als Geschwister: „Wir reden über alles, vertrauen uns gegenseitig alles an – es ist fast so, als würde man einen sehr guten Freund treffen!“, berichtet Hanna. Selbst in der Schule setzen sie sich dann und wann nebeneinander, wenn sich die Gelegenheit ergibt; und im Notfall nutzen die zweisprachig aufgewachsenen Geschwister auch mal ihr Koreanisch, wenn sie keiner verstehen soll, wie sie kichernd zugeben.
Diskussionen zwischen ihnen gibt es höchstens mal, wenn sie gemeinsam vierhändig üben. „Aber sobald wir den Klavierdeckel zuklappen, vertragen wir uns wieder!“, lacht Hanna – und Jonah stimmt ihr schmunzelnd zu. Als Nächstes steht für die beiden die Teilnahme auf Bundesebene bei Jugend musiziert an – und dann können die Verwandten zum 15. Geburtstag der Zwillinge im Oktober eigentlich gleich das Klavier wieder an seinen eigentlichen Platz zurückbefördern.
Christine Wild

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