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Entlang des Roten Mains von Bayreuth nach Langenstadt

Der romantische Rotmain-Auen-Weg ist ein Dorado für Naturliebhaber, Wanderfreunde und Kulturbegeisterte. Fotos: Sabine Raithel

Der romantische Rotmain-Auen-Weg ist ein Dorado für Naturliebhaber, Wanderfreunde und Kulturbegeisterte. Fotos: Sabine Raithel

Der Rotmain-Auen-Weg ist einen Spazier- und Wanderweg, der entlang der idyllischen Auen des Roten Mains zwischen Bayreuth und Neudrossenfeld-Langenstadt mäandert. Unsere Autorin Sabine Raithel hat ihn für Sie entdeckt.

„Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“, soll Oberfranken-Liebhaber Johann Wolfgang von Goethe gesagt haben. Ich folge dem Ratschlag, nehme Zeit und Hund und beginne meine Wanderung auf dem Rotmain-Auen-Weg in Bayreuth. Schnell wird mir klar, dieser Weg ist nicht nur irgendein hübscher Wanderpfad. Es geht hier um eine Entdeckungsreise rund um Natur, Kunst, Kultur, Geschichte und Brauchtum einer außergewöhnlichen Region.
Das Rezept dahinter: Eine malerische Landschaft entlang eines sanften Flüsschens, eine Handvoll großer und kleiner Orte, eine Perlenkette einmaliger Kulturdenkmäler – und eine Fülle von Geschichten. Karla Fohrbeck, ehemalige Hochschulprofessorin, Kulturwissenschaftlerin, Schul- und Kulturreferentin der Stadt Nürnberg, Buchautorin und nach wie vor leidenschaftliche Kulturaktivistin hat das Konzept für den 21,5 Kilometer langen Weg, der sich zwischen Bayreuth und Neudrossenfeld-Langenstadt dahin schlängelt, entwickelt und federführend umgesetzt. Sie hat nicht nur die Kulturlandschaft erforscht und landkreisübergreifend zu einem gemeinsamen Projekt zusammengefügt, sondern auch die Kulturdenkmäler, die sich entlang des neu entstandenen Weges aneinanderreihen, erkundet und beschrieben.
„Eigentlich besteht der ganze Rotmain-Auen-Weg aus Geschichten“, erläutert die passionierte Heimatforscherin. Die hat sie auf über 60 thematischen Stelen und Wandtafeln entlang des Weges aufgeschrieben. So erfährt man Vieles über Parks, Barock- und Bauerngärten, Streuobstwiesen und Obstkelterei, über Biber, Storch, Eisvogel und Regenwurm, über Eissägen und Bierbrauen, Brückenbau und Bioenergie, Flusswehre und Überschwemmungen. Man passiert den Heinersreuther Öko-Lehrpfand und trifft auf insgesamt acht Mühlen (Mühle Heinersreuth, Wiesen-Mühle, Mühle Altenplos, Mühle Altdrossenfeld, Bergmühle, Mühle Neuenreuth, Damm-Mühle, Mühle Dreschen) und eine intakte historische Schmiede in Neuenreuth, gegründet im Jahr 1887.
Als Begleitprojekt zur Landesgartenschau 2016 beginnt der Weg in der Bayreuther Wilhelminen-Aue und führt dann zunächst durch die Stadt entlang des Roten Mains – ein kurzweiliger Spaziergang zu den Schwerpunktthemen „Stadt am Fluss“ und „Stadt der Gärten und Parks“. Ich entdecke, dass Bayreuth eine grüne Stadt ist, mit historischen Parkanlagen, wie dem Hofgarten oder der Eremitage, als auch mit neueren Parks, wie dem Tierpark Röhrensee, dem Festspielpark oder dem ökologisch-botanischen Garten der Universität. Ich erfahre aber auch, dass Bayreuth eine Stadt der Brücken ist und eine Kapitale der Graffitikunst.
Aber das nur am Rande. Denn mich zieht es nun raus aus der Innenstadt, hinaus in die Flussaue und von dort Richtung Heinersreuth. Vielmehr: Ich werde gezogen. An der Leine zerrt der Terrier. Freigang ist hier leider nicht erlaubt. Hunde müssen angeleint bleiben. Den Machern ist es wichtig, ein „Auen-Bewusstsein“ zu schaffen. Zwar soll die Schönheit der Natur erlebbar sein – gleichzeitig soll aber auch die Sensibilität für die Verletzlichkeit der Auenlandschaft, seiner Flora und Fauna, geschärft werden. Kurz: Dem Jagdtrieb des Hundes wird Einhalt geboten, damit Enten, Hasen, Biber, Störche und Co. hier auch künftig in Ruhe leben können.

Der Rotmain-Auen-Weg führt entlang zahlreicher historischer Mühlen, deren Geschichte auf Info-Tafeln nachgelesen werden kann.

Der Rotmain-Auen-Weg führt entlang zahlreicher historischer Mühlen, deren Geschichte auf Info-Tafeln nachgelesen werden kann.

Von der Wilhelminen-Aue bis Heinersreuth sind es 6,5 Kilometer. Und kaum hat man die Stadt hinter sich gelassen, wird der Blick weit. Der Rote Main beginnt sich sanft durch das weite Auental hindurchzuschlängeln. Ein Wilder ist er ja nicht. Eher einer, der mal mehr, mal weniger dahinplätschert. Der Rote Main ist der wasserärmere, aber längere der beiden Quellflüsse des Mains. Er entspringt zehn Kilometer südlich von Bayreuth bei Hörlasreuth (Creußen). Der Fluss ist insgesamt 72 Kilometer lang und vereinigt sich schließlich am westlichen Stadtrand von Kulmbach mit dem Weißen Main.
In Heinersreuth erwartet mich die erste der acht Mühlen, die am Weg liegen. Diese wurde schon 1398 erstmals urkundlich erwähnt und ist damit in etwa so alt, wie das Dorf Heinersreuth selbst. Seit 1709 ist sie im Besitz der Familie Maisel/Masel. Ihre Geschichte dürfte exemplarisch sein für die Entwicklung der Mühlen in der Region. Errichtet wurde sie für das Mahlen von Getreide und als Schneidmühle. Das Mahlwerk wurde 1975 stillgelegt. „Korn war über Jahrhunderte Basis für das ‚täglich Brot’. Im 18. Jahrhundert setzte sich jedoch die Kartoffel als Hauptnahrungsmittel durch. Und im 19. Jahrhundert löste die Mechanisierung mit Dresch- und Mähmaschinen die manuelle Getreideernte mit Sichel, Sense und Dreschflegel ab. Im 20. Jahrhundert brachten die Bauern ihr Korn immer weniger zum Müller und Bäcker, sondern zur Baywa. Heute geht es an wenige Großmühlen in Oberfranken“, weiß Karla Fohrbeck. „Das Sägewerk wurde vor 1930 mit einem eigenen Wasserrad angetrieben. 1987 wurde es stillgelegt und abgebrochen. Ab 1920 versorgte die Mühle das ganze Dorf mit Elektrizität. 1927 übernahm die damalige BELG (heute E.ON) die Versorgung. Aber noch heute erzeugt die Mühle Strom.“
Hier in Heinersreuth, direkt an der B85, begegne ich einer Eule. Die ist aus Holz und ergänzt das tierische Trio von Biber, der Bayreuth repräsentiert, und Storch, dem Maskottchen von Neudrossenfeld, das an der Alten Mainbrücke in Altdrossenfeld auf mich wartet. Geschaffen hat sie der Bildhauer Michael Schütt. Biber, Eule und Storch dienen der Wegmarkierung und zeigen den Übergang von einer Gemeinde zur nächsten. Mein Weg führt mich 8,5 Kilometer weiter nach Neudrossenfeld. Auf dieser Strecke mäandert der Rote Main immer mehr und ich finde, dass er sich hier von seiner romantischsten Seite zeigt. Ich beginne zu verstehen, warum einst Jean Paul und auch Richard Wagner sich so sehr in diese Landschaft verliebt und sie so oft schwärmerisch beschrieben haben.
In Neudrossenfeld mache ich einen Abstecher in das Lindenbaum-Museum neben der historischen „Bräuwerck“-Gaststätte und schau mir die 350 Jahre alte Tanzlinde an. Im Barockgarten des Schlosses treffe ich die Wahl-Neudrossenfelderin Karla Fohrbeck, die mir erzählt, dass es ihr gelungen sei, ihren Heimatort offiziell an das europäische Pilgernetz der Jakobuswege bis Santiago de Compostela anzuschließen. Der Hund an der Leine ist topfit, aber ich werde beim Gedanken an noch längere Wanderwege an diesem Tag zickig. Ich laufe aber dann doch noch sechs Kilometer weiter bis nach Langenstadt und dem überaus sehenswerten Kräutergarten. Den Rotmain-Auen-Weg werde ich wieder wandern. Versprochen. Das nächste Mal allerdings in Einzeletappen (Rundwege gibt es in Heinersreuth, Neudrossenfeld und Langenstadt) und mit noch mehr Zeit, weil es einfach wunderschön ist.

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