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Kulturwelten: Ab 8. Juni gibt es Karten

Veranstaltungen aus 20 unterschiedlichen Genres werden auch in diesem Jahr wieder für ausverkaufte Veranstaltungshallen sorgen. Fotos: Ralf Standke

Veranstaltungen aus 20 unterschiedlichen Genres werden auch in diesem Jahr wieder für ausverkaufte Veranstaltungshallen sorgen. Fotos: Ralf Standke

„Das Ambiente ist Luxus: Im Textilmuseum sind teure Künstler oft aus nächster Nähe zu sehen.“ Heinz König, Verwaltungsfachwirt bei der Stadt Helmbrechts und Leiter des Textil-Museums, stellt das ganz unaufgeregt, aber trotzdem nicht ohne berechtigten Stolz fest. Seit fast 15 Jahren organisiert er zusammen mit seinem engagierten Team und vielen Unterstützern die Kulturwelten Helmbrechts und trägt dazu bei, dass in dem Städtchen mit 8500 Einwohnern jährlich allein rund 50 Kulturwelten-Veranstaltungen stattfinden. Wie er es schafft, immer wieder eine anspruchsvolle Mischung aus Unterhaltung und Skurrilem beziehungsweise Nischen-Kunst zu kreieren, international gefragte Künstler in die oberfränkische Kleinstadt zu holen und mit seinem – teilweise recht gewagten – Programm quasi durchgehend für ausverkaufte Säle zu sorgen, verrät er im Gespräch mit ProHof.
„Als wir im Jahr 2004 mit 15 Veranstaltungen im Textilmuseum vor 1300 Zuschauen angefangen haben, hielten viele es nicht für möglich, dass die Kulturwelten so groß werden!“, erzählt Heinz König. Nachdem Fremd-Veranstalter immer wieder Konzerte, Kabarett und Theateraufführungen im Textilmuseum angeboten haben, 2003 aber erklärten, es rechne sich nicht mehr für sie, hat der Museumsleiter die Sache selbst in die Hand genommen. „Es waren immer so tolle Veranstaltungen und so gute Werbung für das Museum, dass ich ein Konzept geschrieben habe zur Vernetzung und Präsentation von Kulturveranstaltungen im Museum“, so König. Und sein Konzept ging auf: Kann er doch allein in der letzten Saison 2017 auf 43 Veranstaltungen vor 14.000 Zuschauern zurückblicken.
Hauptziel des Konzepts von Heinz König ist es, Künstler und Kunstformen nach Helmbrechts zu holen, die sonst nie oder nur ganz selten in der Region zu erleben und für das Publikum möglichst neu sind. So kündigt er an, dass 39 Künstler der 54 Veranstaltungen, die 2018 auf dem Programm stehen, zum ersten Mal nach Helmbrechts kommen – unter ihnen Größen wie der aktuell bedeutendste Jazz-Pianist Michael Wollny oder mit dem Duo Kutrowatz eines der weltweit gefragtesten Klavier-Duos an zwei Flügeln, das normalerweise Klassik spielt, nach Helmbrechts aber ein Jazz-Programm mitbringt. „Das könnte man sich nicht leisten, wenn man kein Publikum und keine Partner dafür hätte“, weiß Heinz König.
Und dieses Publikum hat sich über die Jahre entwickelt. Von Anfang an hat der Organisator neben anspruchsvoller Comedy und Unterhaltung immer wieder ganz besondere Künstler aus dem Bereich Jazz und Blues/Rock und auch skurrile Acts wie zum Beispiel Lisa Eckhardt, Georg Ringswandl oder „Zärtlichkeiten mit Freunden“ nach Helmbrechts geholt. „Damit möchte ich nicht provozieren, aber das Publikum beanspruchen. Es gibt mehr als rein Gefälliges – und ich bin wirklich froh, dass die Leute trotzdem oder gerade deswegen kommen“, freut sich der Organisator. Und das tun sie auch in diesem Jahr wieder: Zwei Tage nach Erscheinen des Vorankündigungs-Flyers der Kulturwelten kann Heinz König bereits 2000 Anmeldungen verzeichnen, „und viele reservieren gleich 40 bis 45 Karten!“, berichtet er.
Vertrieben werden die Karten für die Kulturwelten übrigens allein über das Textilmuseum, in diesem Jahr ab 8. Juni.
„Das ist zwar sehr aufwendig, aber auf diese Weise verwöhnen wir in unterschiedlicher Form unser Publikum. Diesen Service wollen wir aufrechterhalten“, so König. Die Organisation wird dabei zum größten Teil von der Stadt Helmbrechts übernommen und finanziert, während Sponsoren die Gagen bedeutender Künstler mitfinanzieren und dadurch die Eintrittsgelder niedrig halten. „Dieses Jahr sind allein zwölf neue Sponsoren dazugekommen. Dieses Finanzierungsmodell macht natürlich die Qualität der Kulturwelten aus, denn sonst könnten wir uns derart hochkarätige, dem Publikum aber mitunter weniger bekannte Künstler, die sonst nur in größeren Sälen auftreten, gar nicht leisten“, sagt Heinz König.
Und auch die Raum-Frage ist Teil seiner Philosophie: „Unser Publikum weiß das Ambiente, die Nähe zu den Künstlern zu schätzen“, verrät er. Aus diesem Grund kommt es immer wieder vor, dass er Veranstaltungen, die ursprünglich für den im Lauf der Jahre als Veranstaltungsort hinzugekommenen Bürgersaal geplant waren, zurück in den intimen Rahmen des Museums verlegt. „Ohne das Museum wären die Kulturwelten sowieso nicht möglich – und umgekehrt könnte das Museum in seiner jetzigen Größe und Personalstruktur ebenfalls nicht bestehen“, erklärt Heinz König, der als Gründungsmitglied seit über 25 Jahren für das Textilmuseum tätig ist. Dabei sind ihm die Kulturwelten und der textile Bereich des Museums, um den sich spezielles Fachpersonal kümmert, gleichermaßen wichtig. „Beide Bereiche müssen sich immer weiterentwickeln!“, so der Museums- und Veranstaltungsreihen-Leiter.
Dabei misst er die Weiterentwicklung der Kulturwelten nicht primär an der Besucherzahl, sondern an der Qualität der Veranstaltungen. Das ganze Jahr über sammelt er Ideen für sein Programm, schaut andernorts viel an, pflegt Kontakte zu Agenturen, von denen er weiß, dass sie auf seiner Wellenlänge liegen und folgt (als entscheidendster Faktor, wie er sagt) Empfehlungen von Künstlern, die er bereits kennt. Die Veranstaltungen der Kulturwelten 2018 aus 20 unterschiedlichen Genres prägen vor allem die drei Haupt-Säulen Blues/Rock, Kabarett/Comedy und Jazz (mit dem Schwerpunkt Piano, um den neuen Feurich-Flügel entsprechend zu würdigen).
„An dieser Stelle möchte ich noch mal die Offenheit unseres Publikums würdigen, das sich teilweise sehr weit weg bewegt vom normalen, konservativen Programm. Nur diese Offenheit erlaubt uns, ein Programm anzubieten, das selbst in größeren Städten nicht möglich ist!“, resümiert Heinz König.
Weitere Informationen, Termine und Kartenbestellung im Textilmuseum Helmbrechts, Münchberger Str. 17, Telefon 09252/92430 oder unter www.textilmuseum.de.
Christine Wild

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