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Ein Hofer Gebäude im Wandel der Zeit

Frühere Außenbereiche der Häuser sind jetzt in die sogenannte Glashalle eingebunden und sorgen für einen besonderen Reiz des Gesamtkomplexes.

Frühere Außenbereiche der Häuser sind jetzt in die sogenannte Glashalle eingebunden und sorgen für einen besonderen Reiz des Gesamtkomplexes.

In den historischen Räumlichkeiten, die zur künftigen VHS-Zentrale umgebaut werden, befand sich anfangs das Königlich-Bayerische Postamt, später das Landgericht mit Sitzungssälen und Arrestzellen und in neuerer Zeit das Wasserwirtschaftsamt Hof. Während einer 15-jährigen Dauer des Leerstandes vor Beginn der jetzigen Bauarbeiten nutzte ein Künstler Teile der Räume als Atelier und Ausstellungsfläche. VHS-Leiterin Ilse Emek ließ die Geschichte des Gebäudes, die auch ein Stück Hofer Stadtgeschichte ist, im Detail zusammentragen – und stellt uns das Ergebnis für den Abdruck zur Verfügung.

Postamt
Im Jahr 1810 entstand in Hof ein neues Postamt. Hintergrund war die Zusammenlegung der Königlich-Bayerischen Post mit dem Sächsischen Grenzpostamt. Durch die gleichzeitige Einführung des Berufsbeamtentums und die zunehmende Bedeutung des Hofer Postamtes (beim Napoleon-Feldzug 1812 wurde die gesamte Feldpost über Hof abgewickelt) wurden die bisherigen Räume zu klein, sodass ein neues Gebäude erforderlich war. Dies wurde in der Ludwigstraße 8, damals Kreisdirektorium, gefunden.
Doch auch hier wurden die Räume bald zu eng. Ein neues Gebäude entstand auf dem Grundstück der heutigen Ludwigstraße 7. Dies ist die Keimzelle des noch bestehenden Gebäudes. Am 1. November 1824 wurde dieses Haus bezogen.
Fast 40 Jahre lang beheimatete das Haus nun das Hofer Postamt. 1865 wurde die Post in das damalige Bahnhofsgebäude, das noch mitten in der Stadt lag, verlegt. Nach dem Bahnhofsneubau blieb die Post an diesem Standort, sodass das Gebäude bis heute als „Stadtpost“ bekannt ist. Das Haus in der Ludwigstraße 7 wurde an das Bezirksgericht abgetreten.
(Quelle: Kulturwarte, 24. Jahrgang, Mai 1983)

Gerichtsgebäude
In den folgenden Jahrzehnten diente das Haus als Gerichtsgebäude. Das Gericht war zu dieser Zeit auf zwei verschiedene Häuser im Stadtgebiet verteilt. Das Amtsgericht hatte seinen Sitz in der Theaterstraße, das Landgericht wurde in der Ludwigstraße 7 untergebracht. Dieser Zustand blieb bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts unverändert. Für die beiden Gerichte erwies sich diese Situation jedoch zunehmend als unpraktisch. Erneut traten Raumprobleme auf, zudem verirrten sich Besucher immer wieder in die falschen Gebäude.
Deshalb entschloss man sich zu einem Neubau: Zu Beginn der 1960er Jahre entstand das „Justizgebäude“ am Berliner Platz. Dort fanden nun beide Gerichte ihren Platz. Die zuvor genutzten Gebäude standen leer. Während es bald Pläne für einen Einzug des Gesundheitsamtes in die Theaterstraße gab, blieb das Haus Ludwigstraße 7 zunächst ungenutzt.
(Quelle: Frankenpost 14.10.1961)
Bald regte sich Unmut, da das Gebäude längere Zeit leer stand und keine Pläne für eine weitere Nutzung erkennbar waren. Das Haus gehörte der Bundesfinanzverwaltung und wurde bereits in überregionalen Zeitungen zum Verkauf angeboten. Vorschläge für eine Nutzung gab es verschiedene, unter anderem wurden die AOK und das Rote Kreuz als Nutzer vorgeschlagen. Allerdings galten die Renovierungskosten als zu hoch. Oberbürgermeister Hans Högn schlug vor, das Gebäude abzureißen und neu zu bauen.
(Quelle: Oberfränkische Volkszeitung 2.6.1962)
Im Jahr 1963 kam es zu einer Zwischennutzung. Kurzzeitig war im ersten Stock die Bauleitung des Straßenbauamtes Bayreuth untergebracht. Allerdings wurden die Bedingungen dort als unzumutbar beklagt. Die Räume galten als kalt und ungemütlich. Trotz eines Kachelofens sanken die Temperaturen im Winter bis auf zwei Grad. Die Beschäftigten sehnten ein Ende des Provisoriums herbei. Erstmals wurde eine Nutzung durch das Wasserwirtschaftsamt angedacht.
(Quelle: Oberfränkische Volkszeitung 3.1.1963)

Der historische Dachstuhl in Haus Nummer 7 wurde aufwendig saniert. Hier entsteht ein Vortragssaal.

Der historische Dachstuhl in Haus Nummer 7 wurde aufwendig saniert. Hier entsteht ein Vortragssaal.

Wasserwirtschaftsamt
Die Entscheidung für einen Einzug des Wasserwirtschaftsamtes fiel Mitte der 1960er Jahre. Vor dem Einzug stand eine umfangreichere Sanierung an. Das Hauptargument dafür, nicht neu zu bauen, war es, ein Stück „altes Hof“ zu erhalten.
Da das Gebäude nicht unterkellert war, standen zunächst Entfeuchtungsmaßnahmen an. Das gesamte Holztreppenhaus wurde entfernt und neu gebaut. Der Innenhof wurde erweitert, um Platz für Parkplätze zu schaffen. Die bisherigen Kachelöfen wurden durch eine Zentralheizung ersetzt. Das Kreuzgewölbe im Eingangsbereich blieb erhalten.
Die Fassade stand schon damals unter Denkmalschutz. Daher entschied man sich für einen historischen Farbanstrich in „Biedermeierrot“. Die Fenster wurden in Pastellgrau gestrichen. 1967 hieß es dann: „Wieder Leben im alten Gericht“. Die Umbauarbeiten hatten insgesamt ein Jahr gedauert. Die Kosten beliefen sich auf 690.000 Mark. Im Juli zog das Wasserwirtschaftsamt ein, im September kam vorübergehend das Eichamt hinzu.
(Quelle: Oberfränkische Volkszeitung 13.7.1967)
Knapp 30 Jahre lang blieb das Wasserwirtschaftsamt in der Ludwigstraße. 1989 zog das Finanzamt, das zuvor in der Jahnstraße untergebracht gewesen war, in einen Neubau in der Ernst-Reuter-Straße. Im September 1990 wurde beschlossen, dass das Wasserwirtschaftsamt in das ehemalige Finanzamtsgebäude in der Jahnstraße umziehen sollte.
(Quelle: Frankenpost 6.9.1990)
Zuvor aber waren dort umfangreiche Umbau- und Renovierungsmaßnahmen nötig, sodass der Umzug erst im Dezember 1995 möglich wurde. Dann stand das Gebäude in der Ludwigstraße 7 erneut leer – und die Diskussion über eine Nachnutzung begann von Neuem. Der Freistaat Bayern als Eigentümer wollte das Haus an die Stadt Hof verkaufen. Dort allerdings wurde abgelehnt und außerdem gefordert, zunächst dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen vorzunehmen. Für eine künftige Nutzung brachte die Stadt die Verlagerung staatlicher Ämter ins Gespräch. (Quelle: Frankenpost 15.5.1996)

Lange Zeit des Leerstands
Nun begann eine lange Zeit, in der das Gebäude bis auf wenige Mieter praktisch ungenutzt und aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden war. Im März 2011 titelte die Frankenpost: „Verfall unter weiß-blauer Flagge“. Landtagsabgeordneter Alexander König rief darin den Freistaat auf, das Gebäude zu sanieren. Die Heizung sei völlig marode, überall im Haus habe sich der Schimmel ausgebreitet. Zudem seien die Mietverträge der letzten Mieter gekündigt worden. (Quelle: Frankenpost 14.3.2011)
„Keine Zukunft für altes Amtsgebäude“ hieß es dann im Mai 2011. Der Freistaat machte deutlich, das Gebäude verkaufen zu wollen. Die jährlichen Kosten für den Bauunterhalt in Höhe von 55.000 Euro seien zu hoch. Um die Immobilie möglichst günstig zu halten, solle es keine Sanierung durch den Freistaat geben.
(Quelle: Frankenpost 25.5.2011)

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