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Filmtage: Besondere Stimmung soll bleiben

„Als ich 1988 zum ersten Mal zu den Filmtagen gekommen bin, war das rein aus Interesse. Hof war ein Begriff, da musste man hin!“, erinnert sich Ana Radica. Außerdem war ihr Mann Jimi Vogler eng mit dem Festival und Heinz Badewitz verbunden. Damit, dass jemand im Büro ausfallen und sie direkt für die Gästebetreuung engagiert würde, hatte sie nicht gerechnet. Aber ohne Zögern hat sie für zwei Tage ausgeholfen. Ein Jahr später dann ist sie ganz dabei – und bereits 1990 übernimmt Ana Radica die Leitung des Pressebüros der Hofer Filmtage.

Diese Funktion ist quasi ein Heimspiel für sie, betreibt die Wahlmünchnerin doch in der Landeshauptstadt ein Pressebüro, durch das sie das ganze Jahr über Kontakt zur Filmbranche hat. Eigentlich, erzählt sie, hat sie nach dem Abitur in Coburg zunächst in München das Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft aufgenommen. Doch der Wechsel zur Amerikanistik und ein Job im Münchner Arri-Kino, der sie bald zur Assistentin des Theaterleiters werden und das Programm mitgestalten lässt, verlagern ihren Interessensschwerpunkt auf das Kino.
„Eigentlich wollte ich schon viel früher nach Hof kommen, aber damals ist immer mein Chef zu den Filmtagen gefahren, während ich in München die Stellung halten musste“, erinnert sie sich. Im Anschluss an ihre Tätigkeit im Arri eröffnet sie ihre Presseagentur in München und bleibt parallel bis heute Leiterin des Pressebüros der Hofer Filmtage. In ihrer Münchner Agentur betreut Ana Radica zusammen mit sechs Mitarbeitern Fernseh- und Kinoproduktionen – so etwa seit 20 Jahren den Bayerischen Tatort, die Vorabend-Krimiserie „Hubert und Staller“, die Eberhofer-Krimis fürs Kino („Sauerkrautkoma“) und viele Filme aus dem deutschen und europäischen Bereich. Als Pressestelle Süd von Universal Picture obliegt ihr außerdem die Vermarktung vieler amerikanischer Filme, die von Kommerziellem bis zu Anspruchsvollem reichen.
„Ich könnte Tage im Kino verbringen!“, bekennt Ana Radica. Zeit hat sie dafür, abgesehen von beruflichen Verpflichtungen vor der Kinoleinwand, freilich wesentlich weniger als früher. Doch ist es genau diese Kinobegeisterung, die sie auch für die Hofer Filmtage brennen lässt. Aber nicht nur: Es ist auch die spezielle Stimmung des Hofer Festivals, die Ana Radica fesselt. Und der Mensch Heinz Badewitz, mit dem sie nicht nur fast 30 Jahre zusammengearbeitet hat, sondern mit dem sie auch eine enge persönliche Freundschaft verband. „Sein plötzlicher Tod war ein Schock für uns alle – das war die schlimmste Pressemitteilung, die ich je verfassen musste“, erinnert sich Ana Radica, nach wie vor spürbar berührt.
„Trotz aller Trauer mussten wir aber unsere Energie bündeln und weitermachen; die anstehenden 50. Hofer Filmtage organisieren – wir mussten es einfach machen für den Heinz“, erzählt sie. „Nach der Trauerfeier haben wir alle einander an der Hand genommen und es mit vereinten Kräften durchgezogen.“ Doch brauchte Heinz Badewitz einen Nachfolger. Als künstlerischen Leiter hat man dafür 2017 Thorsten Schaumann eingesetzt; den ersten Vorsitz des Filmtage-Trägervereins Cine Center Hof e. V. übernahm Ana Radica.
Seitdem bekleidet sie die Doppelfunktion als Pressesprecherin der Filmtage und Vorsitzende des Trägervereins. Neben Verträgen, die geschlossen und unterzeichnet werden müssen, der Erstellung von Finanzierungsplänen und Gesprächen mit Sponsoren hält Ana Radica auch Kontakt zu allen Medien, die über die Hofer Filmtage berichten, vermittelt Interviews und lanciert Themen, die die Leser in und außerhalb Hofs interessieren könnten.
Die Frage, ob sie und Thorsten Schaumann etwas verändern wollen an den Hofer Filmtagen, verneint Ana Radica – und zwar ohne Zögern. Natürlich müsse man, um auf dem Stand der Zeit zu bleiben, das Festival finanziell besser aufstellen, mit der Digitalisierung Schritt halten und die Social-Media-Auftritte der Filmtage verbessern. Auch habe man mit der „HoF Rendezvous“-Filmreihe außerhalb der Festival-Zeit und den Branchen-Diskussionen im Rahmen von „HoF Plus“ während des Festivals neue, sehr gut angenommene Veranstaltungsreihen geschaffen, „aber vor allem an der Stimmung, die natürlich stark von der Person Heinz Badewitz geprägt war, wollen wir nichts ändern!“, betont sie.
Rote Teppiche stehen für sie und ihr neues Team ebenso im Hintergrund wie sie es für Heinz Badewitz taten. HOF als Home OF FILMS soll ihrer Meinung nach eine Plattform für Diskussion und Austausch bleiben, in deren Umfeld man ohne Barrieren die Macher zwischen und zu den Vorstellungen treffen und mit ihnen ins Gespräch kommen kann. „Diese Stimmung wollen wir aufrecht erhalten“, sagt Ana Radica. Dieses Interesse an Filmen und den Menschen teilen auch Thorsten Schaumann und alle anderen Mitarbeiter. „Alle, die mit ihren Filmen nach Hof kommen, sollen sich als Filmemacher und Regisseure gleichwertig anerkannt fühlen – egal, ob es sich bei ihnen um Anfänger oder alte Hasen handelt“, so Radica.
Daher freut sie sich auch besonders, dass ab diesem Jahr bei den Hofer Filmtagen zwei neue Nachwuchspreise verliehen werden: Der mit 60.000 Euro dotierte VGF (Verwertungsgesellschaft Film)-Preis, der in den vergangenen Jahren im Rahmen des Bayerischen Filmpreises überreicht wurde, für einen Nachwuchs-Produzenten und der Gold-Preis, bei dem es sich um einen 1-KG-Goldbarren im Wert von etwa 35.000 Euro, gestiftet von der Friedrich-Baur-Stiftung, verliehen von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in Memoriam Heinz Badewitz, handelt, als Auszeichnung für einen Erstlingsfilm. „Die Auszeichnung beinhaltet auch ein einjähriges Mentoring, eine Beratung für den Preisträger, was ich besonders wertvoll finde“, sagt Ana Radica. Und einmal mehr in diesem Gespräch wird deutlich, wofür sie brennt: Für die Sache. Für den Film. Und nicht zuletzt für die Hofer Filmtage.  Christine Wild

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