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Landkreis-VHS: Moderne Bildungsstätte in historischen Mauern

VHS-Geschäftsführerin Ilse Emek vor einer restaurierten historischen Mauer mit Gewölbebögen im Haus Nummer 5. Hier bot zuletzt ein Feinkostgeschäft verschiedene Fischprodukte an. Fotos: Manfred Köhler

VHS-Geschäftsführerin Ilse Emek vor einer restaurierten historischen Mauer mit Gewölbebögen im Haus Nummer 5. Hier bot zuletzt ein Feinkostgeschäft verschiedene Fischprodukte an. Fotos: Manfred Köhler

Am künftigen zentralen Standort der Arbeitsgemeinschaft der Volkshochschulen (VHS) im Landkreis Hof in der Ludwigstraße 5 bis 7 gehen die Bauarbeiten in Richtung Zielgerade. Erste Gerüste werden bereits abgebaut, die künftigen Räumlichkeiten lassen Struktur und Verwendungszweck erkennen. Bis zum anvisierten Eröffnungstermin im März wird ein Komplex mit sieben Hauptfunktionen entstanden sein: Ort des Lernens, Seminar-, Beratungs- und Gesundheitszentrum, Treff für Kunst und Kultur, Stätte der Begegnung und Verwaltungszentrale.

All diese Anforderungen werden mit modernsten Mitteln erfüllt – und das in einem denkmalgeschützten Gebäude mitten in Hof, das durch die Generalsanierung nicht nur erhalten, sondern aufgewertet wird. „Unser neuer Standort wird auch dazu beitragen, die Innenstadt zu beleben“, sagt VHS-Geschäftsführerin Ilse Emek. Der bisherige Leerstand werde unter Einsatz umweltfreundlicher und langlebiger Materialien revitalisiert und mit innovativer Technik ertüchtigt: „Dazu gehören auch W-LAN mit digitalen Wegweisern, Solarenergie und E-Mobilität.“
Bei allen Neuerungen den historischen Charakter des Hauses zu erhalten, ist eine der Herausforderungen der Bauarbeiten. Das beginnt beim Farbton der Außenfassade, den Türen und Holzfenstern und schließt künstlerische Details mit ein. So sind die Kreuzgewölbe der alten Kutschdurchfahrt in Haus Nummer 7 mit bunten Verzierungen bemalt. „Die sind zwar aus historischer Sicht nicht besonders wertvoll, aber werden auf jeden Fall erhalten und, wo beschädigt, wieder hergestellt“, verspricht Ilse Emek.
Besuchern zugänglich gemacht werden aber auch Relikte, die erst im Zuge der Bauarbeiten zum Vorschein kamen. So wurde mitten in der Einfahrt von Haus Nummer 5 ein alter, längst verschütteter Brunnen gefunden. „Den legen wir zwar nicht wieder frei, aber markieren in der künftigen Pflasterung seinen Umriss“, sagt die VHS-Leiterin. Alte Mauern mit sehenswerten Besonderheiten bleiben unverputzt, so zum Beispiel Gewölbebögen im Erdgeschoss von Haus Nummer 5 oder eine Wand mit Steinen aus „Hofer Grauwacke“ im zweiten Stock von Haus Nummer 7.
Aus einem unvermuteten Kostenfaktor beim Bau macht die VHS ein besonderes Schmankerl: „Der Dachstuhl von Haus Nummer 7 erwies sich als marode und musste aufwendig wiederhergestellt werden“, erzählt Ilse Emek. „Hier lassen wir die Balken freigelegt und richten einen Vortragsraum mit kleiner Bühne ein.“
Einen ähnlichen Effekt nutzt man im hinteren Bereich des Hauses direkt über dem Maxplatz und verbindet die Dachkonstruktion aus Holz und Metall samt Lüftungsrohren kurzerhand zu einem stilvollen Gesamteindruck. „Dieser Multifunktionsraum wird unser Schmuckstück“, schwärmt die VHS-Chefin. „Hier sollen unsere schönsten Veranstaltungen stattfinden, zum Beispiel Wochenendseminare oder berufliche Fortbildungsmaßnahmen.“
In den Pausen werden die Seminarteilnehmer ein weiteres Highlight kennenlernen. Der Multifunktionsraum liegt über der Glashalle, die als Innenterrasse der künftigen Cafeteria, Seminarkantine und Kulturraum für Ausstellungen und Konzerte vorgesehen ist. Vor allem aber dient die Glashalle als überdachter Innenhof und Kernstück des neuen VHS-Zentrums als Begegnungsort, an dem alle Wege zusammenlaufen. Genau in der Mitte zwischen Vordereingang und barrierefreiem Zugang gelegen, kann man hier den Glaslift nutzen oder die Freitreppen. Stege in luftiger Höhe verbinden in den einzelnen Stockwerken die verschiedenen Räume.
Zudem schließt die Glashalle Details der früher frei gelegenen Dachelemente der Häuser mit ein. Dazu gehört auch eine einstige Dachterrasse am künftigen Multifunktionsraum, jetzt Aussichtspunkt auf die Glashalle. „Hier können Seminarteilnehmer ihre Ruhezeiten verbringen“, sagt Ilse Emek. Und weil die Sonne hier zur Mittagszeit mit blendender Helligkeit übers Dach falle, werde ein Sonnenschirm für besondere Entspannungs-Atmosphäre sorgen.
Neben Besuchern und Kunden finden auch die VHS-Mitarbeiter in der neuen Zentrale ein Wohlfühl-Domizil. Volkshochschul-Leitung, Verwaltung und Buchhaltung ziehen in den 2. Stock. Und weil sich der Gesamtkomplex als eine Begegnungsstätte versteht, bleibt die Bevölkerung nicht ausgeschlossen: „Zur Verpflegungsstation für Mitarbeiter und Kunden kommt ein öffentliches Café“, verrät die Geschäftsführerin. Das Café unterstreiche die Zielsetzung, die sich die VHS für ihre neue Zentrale gesetzt habe – ein Haus für die Allgemeinheit zu sein und ein erheblicher Mehrwert für die Stadtgesellschaft und die Landkreisbürger.  Manfred Köhler

Zusammen mit dem Innenhof, der als künftige Glashalle überbaut wird, umfasst die Fläche der beiden Häuser rund 6.000 Quadratmeter. Die VHS investiert insgesamt zwölf Millionen Euro in den Um- und Neubau. Auch eine nicht unbeträchtliche Zahl neuer Parkflächen für Kunden und Besucher wird geschaffen.

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