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Hofer Lehrer bei Wissenschafts-Festival

An ihrem Stand beim nationalen Science on Stage Festival in Berlin präsentierten Christoph Selbmann (links) und Bastian Schatz drei Auto-Modelle mit verschiedenen Sensoren und, per Bildschirm, den Ablauf der Experimente auf einem Übungs-Parcours. Foto: Science on Stage

An ihrem Stand beim nationalen Science on Stage Festival in Berlin präsentierten Christoph Selbmann (links) und Bastian Schatz drei Auto-Modelle mit verschiedenen Sensoren und, per Bildschirm, den Ablauf der Experimente auf einem Übungs-Parcours. Foto: Science on Stage

Die Hofer Informatiklehrer Christoph Selbmann und Bastian Schatz vom Schiller-Gymnasium haben sich für das Europäische Festival „Science on Stage 2019“ in Portugal qualifiziert. Die Entscheidung fiel bei der nationalen Ausscheidung in Berlin, bei der sie ein unter ihrer Leitung erstelltes Schülerprojekt zum Thema „autonomes Fahren“ präsentiert hatten. Von 44 gezeigten bundesweiten Projekten wurden elf ausgezeichnet – darunter das von Selbmann und Schatz.

Dem Sieg in Berlin ging eine lange Vorgeschichte voraus, die mit der Mitgliedschaft des Schiller-Gymnasiums im Netzwerk „MINT Excellence“ begann. MINT ist die Abkürzung für die Unterrichts- und Studienfächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – und unter diesem Stichwort werden auch sogenannte Schülercamps angeboten. „Wir haben uns überlegt, mit welchem Projekt wir bei einem Schülercamp mitmachen könnten, und kamen auf das Thema autonomes Fahren“, erzählt der 36-jährige Christoph Selbmann.
Die Idee stieß auf Gefallen, und so war das Schiller-Gymnasium im Juni Gastgeber eines solchen Camps. Zwölf Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Bundesrepublik und zwei aus dem Schiller-Gymnasium tüftelten vier Tage lang unter der Leitung von Christoph Selbmann und Bastian Schatz an autonom fahrenden Auto-Modellen. „Wir wollten die Modelle möglichst nah am Verhalten eines normalen Autos ausrichten, zum Beispiel, was das Lenkverhalten betrifft“, sagt Christoph Selbmann. Ein Abbild der Umgebung verschaffte man den Modellen mit Kameras und Sensoren wie einem rotierenden Laser.
Die Grundlagen für ein möglichst realitätsnahes Arbeiten bekamen die Schüler durch zwei Anschauungsobjekte aus der Praxis: „Die Firma Auto-Müller kam mit einem S-Klasse-Mercedes auf unseren Schulhof, und wir konnten die Fahrassistenzsysteme in der Praxis studieren“, berichtet Christoph Selbmann. „Außerdem unternahmen wir eine Exkursion zur Walzenfabrik Hamm in Tirschenreuth, wo mit autonom gesteuerten Dampfwalzen gearbeitet wird.“
Anschließend griffen die jungen Forscher selbst zu Schraubenziehern und Lötkolben, bastelten aus Bausätzen drei kleine Autos zusammen und programmierten ihr Fahrverhalten. „Es ist faszinierend, was die Schüler alles schaffen, wenn sie motiviert sind“, freut sich Christoph Selbmann. Das Schiller-Gymnasium biete zudem Möglichkeiten, die andere Schulen nicht haben. Die großartige Ausstattung hätten die Gäste auch zu schätzen gewusst: „Die würden gerne wiederkommen. Das Camp bei uns war eine tolle Erfahrung für alle.“

Unter anderem mit Hilfe einer Digitalkamera – wie hier auf dem vorderen Modell zu sehen – orientieren sich die kleinen Autos im Raum.  Foto: Köhler

Unter anderem mit Hilfe einer Digitalkamera – wie hier auf dem vorderen Modell zu sehen – orientieren sich die kleinen Autos im Raum.
 Foto: Köhler

Auch wenn das Ergebnis des viertägigen Workshops im Schiller-Gymnasium nun in Berlin ausgezeichnet wurde, sehen die beiden jungen Lehrer den Erfolg ganz woanders: „Ziel war es, den Weg zum Ergebnis nachzuvollziehen. Durch diesen selbst organisierten Prozess haben die Schüler am meisten gelernt.“ Vorteilhaft seien auch die Realitätsnähe und die große Freiheit beim Arbeiten gewesen: „Es war fantastisch, sich gemeinsam an eine so große Sache heranzuwagen und dabei nur wenige Vorgaben befolgen zu müssen.“
Unabhängig von dem, was man in technischer Hinsicht gelernt habe, seien auch übergeordnete Fragen behandelt worden, die sich bei der Entwicklung von autonom fahrenden Autos stellen: „Wer ist schuld, wenn ein Unfall passiert?“, gibt Christoph Selbmann zu bedenken. Mit solchen rechtlichen Problemen müsse man sich auseinandersetzen, denn auch das beste System werde nie völlig fehlerfrei arbeiten.
„Bisher haben Assistenzsysteme das Fahren sicherer gemacht, weil sie dem Fahrer Aufgaben abnehmen, in denen er als Mensch Fehler macht“, erläutert der Informatiker den fließenden Übergang hin zum autonomen Fahren. „Nun aber sind wir an einem Punkt, an dem die Technik eingreifen soll, wo der Mensch es gut macht, zum Beispiel bei der Unterscheidung des gelben Lichtes an der Ampel und dem der Sonne.“
Weil das menschliche Gespür der Technik in solchen und vielen anderen Bereichen noch weit voraus sei, sieht Christoph Selbmann die Einführung völlig autonom fahrender Autos noch längst nicht in greifbarer Nähe: „In bestimmten Szenarien ist es zwar schon möglich, aber im freien Straßenverkehr wird es noch dauern, bis man alle Probleme beseitigt hat.“ Manfred Köhler

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