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Berg: Ernteteppich und Tag der offenen Tür

Der Ernteteppich des Obst- und Gartenbauvereins Eisenbühl in der Jakobuskirche Berg wird diesmal noch mehr Besucher begeistern als in den Jahren zuvor. Denn im Rahmen des Tages der offenen Markgrafenkirchen zum Erntedankfest am 6. Oktober ist nach dem Festgottesdienst um 9.30 Uhr ein besonderes Programm vorgesehen. So finden zwischen 14 und 16 Uhr nicht nur Kirchen- und Turmführungen statt, auch der Ernteteppich selbst steht im Mittelpunkt, denn für interessierte Besucher finden Erläuterungen zur Gestaltung des Kunstwerkes statt. Zwischen 14 und 17 Uhr gibt es außerdem Kaffee und Kuchen.

Der Ernteteppich in Berg, der heuer zum 19. Mal gelegt wird, ist eine einzigartige

Der harte Kern der Ernteteppich-Gestalter macht sich vor allem auch Gedanken darüber, mit welchen Lebensmitteln und Naturstoffen die Farben des Ernteteppichs dargestellt werden – hier auf dem Tisch zum Beispiel Kaffeesatz, Reis, Linsen, Erbsen, Kirschlorbeerblätter, Lampionblumen und Kokosflocken. Das Bild zeigt (sitzend, von links) Hermann Frank, Ingrid Kehl, Karlheinz Grießbach, Christine Kuhnke und (stehend, von links) Gisela Wolf, Ulrike Feiler, Maria Müller, Ute Fiedler und Annelie Sehling. Fotos: Köhler

Der harte Kern der Ernteteppich-Gestalter macht sich vor allem auch Gedanken darüber, mit welchen Lebensmitteln und Naturstoffen die Farben des Ernteteppichs dargestellt werden – hier auf dem Tisch zum Beispiel Kaffeesatz, Reis, Linsen, Erbsen, Kirschlorbeerblätter, Lampionblumen und Kokosflocken. Das Bild zeigt (sitzend, von links) Hermann Frank, Ingrid Kehl, Karlheinz Grießbach, Christine Kuhnke und (stehend, von links) Gisela Wolf, Ulrike Feiler, Maria Müller, Ute Fiedler und Annelie Sehling. Fotos: Köhler

Besonderheit. Denn die ganze Bandbreite natürlich gewachsener Lebensmittel ist auf engstem Raum vereint. Und von der Fülle an Details, die ein großes Gesamtbild ergibt, geht eine ganz besondere Faszination aus. Kinder, Erwachsene und Senioren arbeiten Hand in Hand daran. Wie das funktioniert, beschreibt Ute Fiedler, die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Eisenbühl, auf humorvolle Art: „Die einen suchen die passenden Lebensmittel zusammen, die anderen krabbeln auf dem Boden herum.“
Natürlich ist die gesamte Arbeit, die dahintersteckt, wesentlich aufwendiger. Schon das ganze Jahr über machen sich die Mitglieder im Ausschuss des rund 70 Mitglieder starken Obst- und Gartenbauvereins Eisenbühl Gedanken über ein passendes Bild und erörtern die Übertragung. Auf Vorschlag der Vorsitzenden entschied man sich diesmal für das Motiv „Zachäus“ aus einer Kinderbibel. Das komplexe Gemälde wird von Ute Fiedler zunächst in vereinfachter Form skizziert und dient dann als Vorlage für den Ernteteppich. Auf dem Kirchenboden ausgebreitet, wird schließlich die Vorlage von den Teilnehmern von innen nach außen so belegt, dass ein buntes Bild entsteht. Auch dabei ist Teamwork ganz entscheidend: „Wir müssen immer wieder Abstand nehmen und kontrollieren, dass auch die Proportionen passen.“

Am Beispiel des letztjährigen Ernteteppichs sieht man, wie die Gestalter vorgehen: Von innen nach außen werden die Felder der Vorlage mit farblich passenden Lebensmitteln bedeckt. Foto: Gisela Wolf

Am Beispiel des letztjährigen Ernteteppichs sieht man, wie die Gestalter vorgehen: Von innen nach außen werden die Felder der Vorlage mit farblich passenden Lebensmitteln bedeckt. Foto: Gisela Wolf

Schon bei der Vorbesprechung wird entschieden, welche Lebensmittel die Farben des Bildes am besten darstellen. Für das diesjährige Motiv wurden zum Beispiel Kirschlorbeerblätter für das Grün der Bäume im Bild gewählt. „Jeder bringt mit, was er zu Hause an Material zusammengetragen hat“, sagt Ute Fiedler. Manche der rund 15 Mitglieder des Ernteteppich-Teams haben dafür große Vorratskisten mit lang haltbaren Produkten angelegt, andere zupfen frische Beeren im eigenen Garten. Was noch fehlt, wird gekauft oder in der Natur gesammelt.
Von Anfang an war es den Mitgliedern des Obst- und Gartenbauvereins Eisenbühl wichtig, dass die verwendeten Lebensmittel nicht weggeworfen, sondern verzehrt werden. „Deshalb bleibt ein Ernteteppich immer nur eine Woche liegen“, sagt Ingrid Kehl, die seit Jahren bei dem Projekt mitwirkt. Danach werden die Lebensmittel an die Hofer Tafel gespendet, Zutaten wie Getreide oder Kastanien verfüttern Jäger ans Wild. „Bei uns wird nichts verschwendet“, betont Ute Fiedler.
Obwohl die Ernteteppiche längst nicht mehr nur die Gemeindemitglieder begeistern, sondern auch ein Publikum von weit her anlocken, sehen die Akteure darin keine Touristenattraktion, sondern bleiben dem Kern der Idee treu: „Die Resonanz freut uns natürlich“, sagt Ute Fiedler. „Aber wir machen den Ernteteppich vor allem für unsere Kirche zum Erntedank, also für die Gottesdienstbesucher und zum Lob Gottes.“  Manfred Köhler

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