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Max Dollinger: Gastspiel in der Heimat

Jeder, der Max Dollinger kennt, weiß: Er ist ein Zweifler. Aber ein höchst sympathischer. Er zweifelt an den Dingen, die allgemein behauptet werden; er zweifelt an sich selbst – und genau das bringt den charmanten 23-jährigen weiter.
Nach dem Abitur am Hofer Jean-Paul-Gymnasium (JPG) hat er direkt die Aufnahmeprüfung für Operngesang an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig mit Bravour bestanden und dort im Sommersemester 2019 sein Bachelor-Studium bei Kammersänger Professor Roland Schubert abgeschlossen. Ab September nimmt er an selber Stelle das Masterstudium auf.
Jetzt kehrt der Regnitzlosauer auf die Bühne in Hof zurück: Am 21. September ist er zusammen mit Ilona Blumenthal-Petzold (Rezitation) und Wolfgang Geiger (Piano) in der Klangmanufaktur mit dem Tucholsky-Abend „Lachen ohne Weinen“ zu erleben.
In Erinnerung geblieben ist er sicherlich einem Großteil des Hofer Publikums als Musical-Star des Jean-Paul-Gymnasiums: Jahr für Jahr hat er dort, begleitend zu seiner schulischen Karriere, die männlichen Hauptrollen im Großen Musical nicht nur übernommen, sondern perfekt ausgefüllt – und sein außergewöhnliches Talent dürfte keinem Zuschauer verborgen geblieben sein.
„Nachdem ich verschiedene musikalische Stile von Oper über Big Band bis hin zu Musical ausprobiert hatte, habe ich mich letztendlich für Operngesang entschieden, weil mir das Tanzen – nicht zuletzt wegen meiner Körpergröße – nicht ganz so leicht fällt“, erzählt Max Dollinger, der als Tenor begonnen hat, dann ins Bariton-Fach gewechselt ist. Das erste Studienjahr frustriert ihn aber gewaltig: „Klassischen Gesang zu studieren, bedeutet in Deutschland, dass man ausschließlich Oper und Oratorium singt, während Musical eigentlich ein No-Go ist“, so der junge Sänger.
Genau zu der Zeit seines größten Frusts ruft ihn plötzlich Wolfgang Geiger an. Der Marktredwitzer hat einige Jahre vor Max Dollinger Abitur am JPG gemacht und ihm bereits zu Schulmusical-Zeiten im Umgang mit dem Stimmbruch geholfen. „Wolfi, der inzwischen Schulmusik in Weimar studierte, hat dann gefragt, ob ich das Sommerkonzert eines Männerchors, den er leitet, als Solist mit ein paar Songs von Roger Cicero aufpeppen könnte, was ich gern sofort zugesagt habe. Und dann hatte ich so viel Spaß bei den Proben, dass mir wieder eingefallen ist, wie gern ich vor meinem Studium auch immer Musik anderer Genres, abseits von Oper und Oratorium gemacht habe“, verrät Max Dollinger.
Euphorisiert von der gemeinsamen Probenarbeit beschließen die beiden jungen Musiker, ein gemeinsames Programm auf die Beine stellen. „Ich habe dann meinen Block und einen Stift mit in den Urlaub genommen und Songs aller möglicher Interpreten von Roger Cicero über Annett Louisan bis hin zu Udo Jürgens aufgeschrieben, die ich mag. Und schon war der Grundstein für unser erstes Programm „Der verspielte Mann“, mit dem wir bereits 2018 und auch diesen Sommer in Marktredwitz gastiert haben, gelegt“, sagt Max Dollinger.
Diesen Grundstock nutzt er auch, um Ende 2017 am Bundeswettbewerb Gesang in der Wertung „Chanson“ teilzunehmen – und direkt einen der begehrten Sonderpreise zu gewinnen. In dieser Phase erinnert er, der im Umfeld des Stadttheaters Hof – als Statist, Extra-Chorist und Schüler des beliebten Sängers Thilo Andersson – groß geworden ist, sich daran, was er eigentlich immer werden wollte: „Nicht Opern-Sänger, sondern ‚Theater-Sänger‘, der Oper, Operette, Musical, Chanson und Schauspiel gleichberechtigt betreibt. In Amerika existiert für diesen Typus die Bezeichnung des ‚Performers‘, aber in Deutschland trennt man die Genres voneinander.“
Max Dollinger möchte sich aber nicht nur auf allen Bühnen-Ebenen austoben, sondern geht noch weiter: Auch die Gesangs-Technik und -Pädagogik ist ihm ein großes Anliegen. „Bereits zu Schulzeiten habe ich viele Bücher unterschiedlichster Sänger-Schulen über die verschiedenen gesangstechnischen Herangehensweisen gelesen, weil ich immer angezweifelt habe, dass es eine ‚richtige‘ Technik gibt“, erzählt er. Für ihn stellt die Gesangspädagogik die Brücke zwischen den Genres dar, „denn wir benutzen ja alle das gleiche Instrument, aber auf unterschiedliche Weisen – und meiner Meinung nach ist es durchaus möglich, Klänge aller Genres gesund und natürlich mit diesem Instrument zu produzieren.“ Natürlich macht gerade ihm als rationalem Zweifler die Tatsache zu schaffen, dass man als Sänger in sein Instrument nicht so gut hineinschauen kann wie in anderen Fächern. „Für viele Bereiche gibt es feste Theorien, aber im Gesang gibt es nichts, woran man sich wirklich festhalten kann“, meint Max Dollinger.
Trotz aller Zweifel durchzuhalten, haben ihm während der ersten vier Studienjahre seine (Groß)familie, gute Freunde und seine Freundin dabei geholfen, die selbst Sängerin ist und mit der er sich fachbezogen immer wieder austauscht. „Ich habe wirklich eine tiefe Bindung zu meiner Familie und meiner Heimat, wobei ich in den vergangenen Jahren wegen des Studiums wenig zuhause war – ich würde mir wünschen, auch mehr berufliche Anlässe zu haben, um nach Hof zu kommen“, sagt der Sänger. „Außerdem haben meine Eltern und meine drei Schwestern auch immer dafür gesorgt, dass ich auf dem Boden bleibe“, merkt er lachend an. Und ergänzt: War er auch selten in der Gegend, so sind doch seine Familie und Freunde immer an die Orte gereist, an denen er aufgetreten ist und haben ihm Rückhalt gegeben, was dem jungen Sänger viel bedeutet. Dazu gab es reichlich Gelegenheit, denn bereits als Student hat er auf beträchtliche Engagements zurückzublicken: Sein gefeierter Ollendorf im „Bettelstudenten“ an der Hochschule in Leipzig, der Journalist in der Uraufführung der Kammeroperette „Pink“ am Renaissance Theater in Berlin und der Oberst Pickering in „My fair Lady“ (ebenfalls an der Leipziger Hochschule) sind nur einige Beispiele.
Im Rahmen des Tucholsky-Abends am 21. September darf Max Dollinger wieder einmal all seine Leidenschaften kombinieren: Die Chansons und Texte Tucholskys, die er singen und gemeinsam mit seiner Sprechlehrerin Ilona Blumenthal-Petzold rezitieren wird, wird er jeweils zu kleinen Theaterstücken machen – unterstützt von Wolfgang Geiger, der nicht nur begleitet, sondern musikalisch weiterspinnt, was das Notenmaterial hergibt. „Alle Stücke beginnen lustig, haben aber dann einen Bruch und eine tiefsinnige, oft kritische Botschaft, daher auch der Untertitel ‚Lachen ohne Weinen‘“, bemerkt Max Dollinger.  Christine Wild

 

Der Tucholsky-Abend „Lachen ohne Weinen“ findet am 21. September um 19 Uhr in der KlangManufaktur als zweite Veranstaltung der Reihe „Fusion25“ statt. Der Eintritt ist frei.

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