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Vorbild: Elias Lang spendet und rettet

Elias Lang aus Wölbattendorf spendete Stammzellen und rettete damit einem kleinen Jungen das Leben.

Elias Lang aus Wölbattendorf spendete Stammzellen und rettete damit einem kleinen Jungen das Leben.

Elias Lang wartete im Dezember nicht nur aufs Christkind, sondern auch auf einen Anruf der DKMS. Im Sommer hat der 18-jährige Wölbattendorfer Stammzellen gespendet – und fragt sich jetzt, wie es dem Empfänger geht. Im Idealfall hat Elias Engagement einem kleinen Jungen, maximal fünf Jahre alt, das Leben gerettet. Mehr als das Herkunftsland, Geschlecht und Alter erfahren Spender und Empfänger nach den Richtlinien der DKMS in Deutschland zunächst nicht voneinander. Erst nach zwei Jahren besteht die Möglichkeit, persönliche Daten zu erfragen und Kontakt zueinander aufzunehmen, wenn beide das möchten.

„Das halten die verschiedenen Länder ganz unterschiedlich“, weiß Elias, der sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt hat. „Manche, wie zum Beispiel Finnland, erlauben überhaupt keinen Kontakt.“ Würden die Eltern des kleinen Jungen in zwei Jahren Kontakt zu ihm suchen, stünde Elias für ein Gespräch zur Verfügung. Doch dem jungen Wölbattendorfer geht es nicht in erster Linie darum, wem genau er geholfen hat, sondern darum, überhaupt zu helfen.
Jahrelang haben sich seine Eltern Michael und Evi Lang gesagt: „Wir müssten uns mal typisieren lassen.“ Als schließlich vor einigen Jahren ein Hofer Feuerwehrmann, den die beiden persönlich kennen, schwer erkrankt ist und seine Kameraden eine Typisierungsaktion auf die Beine gestellt haben, war es endlich soweit. „Sobald man einen Betroffenen persönlich kennt, rafft man sich doch viel schneller auf“, sagt Evi Lang. Elias große Schwester ließ sich damals gleich mit typisieren; er selbst war unter 17 und damit noch zu jung. Doch er zog im vergangenen Jahr bei der Typisierungsaktion für Baby Isabella in der Hofer Freiheitshalle nach.
Dass er nur Monate später tatsächlich Post von der DKMS bekommen würde, hätte der junge Mann sich damals nicht träumen lassen. Zunächst erhielt er im Frühjahr die Information, dass er eventuell als Stammzellen-Spender in Frage komme, und man sich bald wieder bei ihm melden würde. „Das war schon ein komisches Gefühl.“ Als nächstes erreichte Eilas ein Paket, mit dem er bei seinem Hausarzt vorstellig werden musste: Eine Blutprobe sollte darüber Aufschluss geben, ob er tatsächlich Spender werden kann.
Es folgte eine Voruntersuchung in einer großen deutschen Klinik, die auf Stammzellenentnahme spezialisiert ist – mit einem Gesundheits-Checkup, einer weiteren Blutuntersuchung und einem Gespräch über die Entnahmetechnik. In Elias Fall konnten die Stammzellen nicht aus dem Blut gewonnen werden, sondern mussten unter Vollnarkose aus dem Knochenmark des Beckenkamms entnommen werden. „Da war ich zuerst schon skeptisch.“ Doch heute sagt er: „Alles nicht so schlimm. Ich würde es wieder machen.“ Er habe sich bei der ganzen Prozedur in guten Händen gefühlt und alle seien sehr nett gewesen.
Elias bekam den Termin für die Entnahme mitgeteilt und musste an den Tagen zuvor besonders gut auf sich aufpassen. Das Immunsystem des Empfängers wird kurz vor einer geplanten Stammzellentransplantation durch eine extrem aggressive Chemotherapie komplett ausgeschalten – dass die Spende wie geplant stattfinden kann, ist ab diesem Zeitpunkt für den Empfänger überlebenswichtig.
Elias reiste am Vorabend an. Die Narkose während einer Stammzellenentnahme am Beckenkamm hält nicht lange an, die Entnahme geschieht sehr zügig über zwei kleine Einstiche im Bereich des hinteren Beckenknochens. Elias musste zur Beobachtung eine weitere Nacht lang im Krankenhaus bleiben und verspürte nicht mehr Schmerzen als bei einem leichten Muskelkater. Erst jetzt erfuhr er, dass seine Stammzellen an einen kleinen Jungen gehen sollen.
Reise- und Übernachtungskosten für Untersuchungen und Entnahmetermin übernimmt natürlich die DKMS; für den Tag der Spende gilt das auch für eine Begleitperson, denn man sollte sich nach der Entnahme noch einige Tage schonen. Auch den Arbeitsausfall eines Spenders würde die DKMS bezahlen, wenn die betreffende Firma das wünscht. Die Spinnerei Neuhof, bei der Elias eine Ausbildung zum Elektroniker macht, hat darauf verzichtet.
Eilas Eltern waren zur Entnahme beide mitgekommen und vermutlich etwas aufgeregter als er selbst. Vor allem aber sind sie stolz, dass ihr Sohn einem kranken kleinen Kind eine zweite Chance schenken konnte. Und Elias selbst? Möchte eigentlich kein Aufheben machen von etwas, das für ihn selbstverständlich ist. Es gibt nur einen Grund für ihn, dennoch mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen: Er wünscht sich, dass noch viel mehr Menschen tun, was er getan hat, nämlich sich typisieren lassen und helfen. Als er rechtzeitig vor Weihnachten erfahren hat, dass der kleine Junge dank seiner Stammzellen noch am Leben ist und das Krankenhaus verlassen durfte, war das für Elias Lang eines seiner schönsten Geschenke. Sandra Langer

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