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Spannende Relikte aus alten Zeiten

Die Hohlraumforscher Rudolf und Andrea Fischer laden für den Tag des offenen Denkmals am 13. September zu Führungen durch den Weberkeller in der Ascher Straße ein. Fotos: Manfred Köhler

Die Hohlraumforscher Rudolf und Andrea Fischer laden für den Tag des offenen Denkmals am 13. September zu Führungen durch den Weberkeller in der Ascher Straße ein.
Fotos: Manfred Köhler

Eigentlich soll der Tag des offenen Denkmals am 13. September wegen Corona vor allem digital über die Bühne gehen. Doch es gibt Ausnahmen: Die Hofer Hohlraumforscher Rudolf und Andrea Fischer bieten von 11 bis 12 Uhr, von 13 bis 14 Uhr, von 15 bis 16 Uhr und von 17 bis 18 Uhr Führungen durch den sogenannten Weberkeller in der Ascher Straße in Hof an, der schräg gegenüber vom Freibad zu finden ist. Der Keller zeichnet sich unter anderem durch ein Nebeneinander alter und neuerer Relikte aus und ist auch dadurch interessant, dass er laut Berechnungen von Rudolf Fischer genau unter dem Altar der Johanneskirche endet.

Die exakte Entstehungszeit des Urkellers ist unbekannt, sagt Andrea Fischer. Entlang des alten Handelsweges ins böhmische Asch, der heutigen Ascher Straße, hätten wohl Fuhrleute in dem anfangs noch nicht allzu großen Hohlraum über Nacht ihre Waren eingelagert, um sie vor Räubern zu schützen. Auch von der späteren Bürgerbräu sei der Keller genutzt worden. So sei die Großmutter des heutigen Kellerbesitzers Axel Weber die Enkelin von Gottfried Angermann gewesen, dem Besitzer der späteren Bürgerbräu.
Der anfangs eher kurze Kellergang sei erst 1870 von französischen Kriegsgefangenen durch Sprengung tiefer in den Fels getrieben worden. Reste von insgesamt 130 Bohrlöchern seien noch heute zu sehen. In jüngerer Zeit habe der Keller unter anderem als Lager für Farben, als Luftschutzraum und später als Früchtelager und Champignonzuchtstätte gedient. Ab 1986 habe der Bund Naturschutz versucht, aus dem Keller ein Fledermausquartier zu machen. Doch eine Fledermauspopulation sei bis heute nicht nachzuweisen.
Allerdings haben die Ansiedlungsversuche in Form von Hohlsteinen an den Decken bis heute ihre Spuren hinterlassen. Darüber hinaus finden Besucher eine Vielzahl weiterer Relikte. So ist in den ehemaligen Fassauflagen immer noch der Sand zu sehen, auf dem einst Champignons gezüchtet wurden. Die frühere Beleuchtungsanlage ist so verrostet, dass sie beim Berühren zerbröselt. Überall ziehen sich kreuz und quer die Bohrlöcher der ehemaligen Sprengkammern über die Wände.
Ein ganz besonders spannendes Relikt aber kann man direkt am Eingang bestaunen. Der sechs Meter tiefe frühere Entwässerungsschacht ist inzwischen vollgelaufen. Das extrem klare Wasser ist nur zu ahnen, eine alte Flasche schwimmt darauf, als würde sie schweben. In einigen Metern Tiefe steckt die ehemalige Eingangstür des Kellers unter Wasser quer im Schacht. „Der Keller hatte im Laufe der Zeit viele ungebetene Besucher, die ebenfalls ihre Spuren hinterlassen haben“, erklärt Rudolf Fischer das Zerstörungswerk. Allerdings wird es in dem Fall nicht von Dauer sein: Die Feuerwehr habe zugesagt, die alte Tür im Rahmen einer Übung aus dem Schacht zu bergen.
Der Keller gliedert sich in Vorkammer, 1. Kammer und 2. Kammer. Insgesamt sind die verwinkelten Gänge 27 Meter lang und bis zu 2,5 Meter hoch. Eine Besonderheit sind wurmartige Strukturen an den Decken, die auch Experten nicht erklären können. Eine weitere Besonderheit kann die Arbeitsgruppe Hohlraumforschung Hof, deren Sprecher die Fischers sind, für sich selbst verbuchen: Die Hofer Gruppe ist laut Rudolf Fischer die einzige in Bayern, die offiziell mit dem Landesamt für Umwelt zusammenarbeitet.
Die Besichtigung des Kellers ist barrierefrei möglich. Die Fischers raten zu warmer Kleidung und festen Schuhen. Außerdem sollte ein Helm, zum Beispiel ein Fahrradhelm, mitgebracht werden. Die Führung ist kostenlos, allerdings wird um eine Spende zur Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit gebeten.
Manfred Köhler

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