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Theater-Spielzeit wird zur besonderen Herausforderung

Das Wort „Flexibilität“ wurde für die Eröffnung der Theaterspielzeit 2020/2021  bis aufs Äußerste strapaziert. Buchstäblich in letzter Minute musste eine Alternative für die „Schaustelle“ gefunden werden, für die nach der Baubegehung keine Freigabe erteilt wurde. Die Premiere von „Cold Heart“ fand schließlich im Rosenthal-Theater in Selb pünktlich statt, wo auch dort viel Flexibilität und guter Wille unter Beweis gestellt wurde. Foto: Harald Dietz

Das Wort „Flexibilität“ wurde für die Eröffnung der Theaterspielzeit 2020/2021 bis aufs Äußerste strapaziert. Buchstäblich in letzter Minute musste eine Alternative für die „Schaustelle“ gefunden werden, für die nach der Baubegehung keine Freigabe erteilt wurde. Die Premiere von „Cold Heart“ fand schließlich im Rosenthal-Theater in Selb pünktlich statt, wo auch dort viel Flexibilität und guter Wille unter Beweis gestellt wurde. Foto: Harald Dietz

Gleich zu Beginn der neuen Spielzeit konnte die Herausforderung nicht größer sein: da im Rahmen der Baubegehung keine Freigabe der „Schaustelle“ erfolgte, musste buchstäblich in letzter Minute eine Alternative gesucht werden.Dank der Nachbarschaftshilfe der Stadt Selb war es kurzfristig gelungen, die Premiere von „Cold Heart“ zu retten. Im Rosenthal-Theater fand die Premiere und damit die Eröffnung der Theatersaison 2020/2021 statt.

„Wir reden nicht nur darüber – wir machen’s“, sagt Reinhardt Friese, Intendant des Hofer Theaters, zum Thema Kultur in Zeiten von Corona. „Wir starten mit Enthusiasmus und Freude in die neue Saison.“ Mit der Uraufführung eines Auftragswerkes zum Spielzeit-Auftakt beweise man zudem künstlerischen Mut. Martyn Jacques, der Frontmann der Tiger Lillies, hat die Musik zu „The Cold Heart“, einem Stück nach dem Märchen „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff, geschrieben.
„Eine sehr schöne Musik“, verspricht Pressesprecherin Christine Wild, „balladenhaft-jazzig, zwischen Musical und Oper. Es wird eine aufregende Vorstellung, mit dem Auftritt einer Schlangenfrau, Tuch-Akrobatik und großartigem Stepptanz.“
Die Corona-Auflagen gelten auch auf der Bühne: Mindestabstände sind einzuhalten; Szenen, in denen Schauspieler sich nahekommen, sind nur unter den Kollegen erlaubt, die auch im „echten Leben“ ein Paar sind oder in einer Wohngemeinschaft leben; die Balletttänzer wirbeln mit Masken über die Bühne; im Orchester-Graben dürfen sich maximal 20 Musiker aufhalten. Der Spielplan wurde entsprechend überarbeitet – manche Stücke, die für die aktuelle Saison geplant waren, mussten entfallen, andere wurden aufgenommen. Der Betrieb unter Corona-Auflagen verlangt allen Mitarbeitern auf und hinter der Bühne viel ab. „Aber wir haben uns riesig gefreut, als es endlich wieder losging.“
Es sind jedoch nicht nur die Corona-Auflagen, die die Spielzeit 2020/2021 für das Theater Hof zu einer besonderen Herausforderung machen: Der Spielbetrieb findet erstmals nicht im Stammhaus, sondern wegen dessen Sanierung im Ersatzbau, der „Schaustelle“ statt. Kulissen können dort nicht einfach an die Seite gefahren oder nach oben weggezogen werden. Sowohl der Umbau während eines Stücks als auch das Umrüsten zwischen den Stücken funktioniert nicht so einfach und problemlos wie gewohnt. Darüber hinaus wird ein Teil der hochmodernen Technik, die später im neuen Haus Verwendung findet, bereits jetzt erprobt – wie beispielsweise die neue elektrische Drehbühne oder die neue Tonanlage. „Ein toller Klang – schon jetzt besser als im alten Haus“, schwärmt Christine Wild.
Die Zuschauer betreten das Theater wie gewohnt über den Haupteingang, nutzen wie gewohnt Garderobe oder Toiletten im Basement sowie die Bar im Foyer – und gelangen dann über einen überdachten und beheizten Gang bequem in die Schaustelle, die neben dem Haupthaus steht. Aufgrund der Corona-Auflagen dürfen aktuell maximal 156 der insgesamt 433 Plätze in der Schaustelle vergeben werden. Die Abonnenten, deren Abos aktuell ruhen, haben von ihrem Vorkaufsrecht rege Gebrauch gemacht, und auch an den ersten Tagen des freien Ticketverkaufs herrschte große Nachfrage. Wer sich noch Karten sichern möchte, sollte schnell sein. Aktuell werden Karten für die Vorstellungen bis Ende Dezember vergeben; die Karten für den Rest der Spielzeit gehen dann Ende November oder Anfang Dezember in den Verkauf.
Pressesprecherin Wild bittet darum, Karten im Vorverkauf zu kaufen und rechtzeitig abzuholen sowie am Tag der Vorstellung spätestens eine halbe Stunde vor Beginn vor Ort zu sein: „Der Einlass muss sehr geordnet stattfinden. Die Besucher werden jeweils reihenweise aufgefordert, einzutreten und ihren Platz einzunehmen.“
Einführungen, Matineen und Premierenfeiern bietet das Theater Hof weiterhin kostenlos an; Einlasskarten dafür müssen aber wegen der begrenzten Platzzahl ebenfalls im Vorverkauf bestellt werden. Einführungen und Matineen finden in der Kulturkantine statt (Reservierungen ab Vorverkaufsstart über Wirt Peter Kampschulte unter Telefon 0171/3251535); Premierenfeiern im Foyer. Für die Premierenfeiern können Abonnenten zwei Wochen vor dem Termin reservieren; eine Woche vor dem Termin werden dann übrige Karten an weitere Interessenten vergeben.

Infos zu Spielplan, Stücken und Terminen gibt’s unter www.theater-hof.de. Karten können wie gewohnt über die Theaterkasse (Telefon 09281/7070-290; E-Mail kasse@theater-hof.de) reserviert werden und müssen eine Woche vor der Vorstellung bezahlt und abgeholt werden. Auch der Online-Ticketkauf über die Website ist wieder möglich (maximal zwei Tickets). Wegen der begrenzten Platzzahl sind manche Vorstellungen bereits ausverkauft.

Das Studio wurde bereits seit dem Frühjahr saniert und öffnet im November in neuem Glanz. Hier darf ungefähr ein Viertel der üblichen Plätze belegt werden. Das entspricht ungefähr 20 Karten pro Vorstellung.
Zwar wird manches anders sein als gewohnt, aber: „Die Menschen sind kulturhungrig. Und die Schauspieler sind total froh, dass sie wieder spielen dürfen.“ Und Dank einer guten Nachbarschaft muss einem nicht bange sein, wenn die Schaustelle zum Fertigwerden noch ein bisschen Zeit braucht. Sandra Langer

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