Der Verein für Hof – in Bayern ganz oben.

Aus dem Alltag einer Krankenschwester: „Würde Coronaleugner am liebsten mit in die Arbeit nehmen!“

Die Pandemie und der damit verbundene und immer weiter verlängerte Lockdown hält unsere Region nach wie vor in Atem. Das ProHof-Magazin möchte deshalb wissen: Wie ist die Lage in den Corona-Stationen unserer Krankenhäuser in Stadt und Landkreis Hof? ProHof-Vorstandsmitglied Rainer Krauß hat sich dazu mit Andrea Hering, Hofer Stadträtin und frühere Schlappenkönigin, unterhalten. Sie arbeitet im Hauptberuf seit 1985 im medizinischen Bereich und ist derzeit als Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Corona-Station der Kliniken Hochfranken in Münchberg beschäftigt.

Liebe Andrea Hering, wie muss man sich die derzeitige Lage an Ihrem Arbeitsplatz und auf dem Höhepunkt der Pandemie vorstellen?
Sie ist sehr angespannt. Es gilt ein absolutes Besuchsverbot auf unserer Station. Ausgenommen sind sterbende Patienten, für die eine Ausnahme gemacht wird. Für die Patienten ist diese strenge Isolation eine große psychische Belastung: kein Plausch auf dem Gang, den ganzen Tag im Zimmer und Kontakt gibt es nur ab und zu zum Pflegepersonal. Für uns selbst ist die Arbeit mit viel Aufwand verbunden. Ein Beispiel: Bevor wir als Pfleger ein Corona-Zimmer betreten, müssen wir uns die Schutzkleidung anziehen, d. h. Handschuhe, Schutzkittel, ein zweites Paar Handschuhe, eine Haube, eine FFP2-Maske und eine Schutzbrille. Es liegt auf der Hand, dass wir uns bei jedem Patienten neu anziehen müssen. Die Station, auf der ich arbeite, ist in der Regel voll belegt und es gibt leider auch viele Sterbefälle.

Welche Menschen liegen dort derzeit – und wie reagieren diese auf die Erkrankung?
Das Alter der Patienten ist meist über 70 Jahren, sie nehmen die Erkrankung meist ruhig hin. Man merkt aber, dass sie verängstigt sind und sich sehr einsam fühlen. Das ist eine Situation, die natürlich bedrückend ist.

Wie steht es währenddessen um die Belastung des medizinischen Personals?
Unser Personal ist überlastet, psychisch wie physisch. Wir sehen natürlich die Ängste der Patienten. Es ist uns aber leider nicht immer möglich, uns mehr Zeit für ein längeres Gespräch zu nehmen. Ich muss aber auch sagen, dass unser Team auf der Station gut zusammenarbeitet und dass wir zusammen an der Situation gewachsen sind. Wir haben trotz der Ernsthaftigkeit unserer Arbeit das Lachen nicht verlernt! Genau das ist auch notwendig, um diese Arbeit jeden Tag machen zu können.

Wie geht es Ihnen persönlich dabei in Anbetracht dieser Situation?
Natürlich wünscht man sich den ‚normalen Alltag‘ beim Arbeiten zurück. Ich vermisse die Kollegen und Kolleginnen der Orthopädie, wo ich normalerweise arbeite. Doch es ist halt unser Job und für den haben wir uns entschieden und wir machen ihn immer noch gern.

Ich frage auch deshalb: Sie selbst haben im vergangenen Jahr einen gesundheitlichen Rückschlag zu verdauen gehabt. Wieder genesen sind Sie jetzt mittendrin im Corona-Geschehen – eine bewusste Entscheidung?
Dies war keine bewusste Entscheidung. Es kam einfach so. Nach meiner Erkrankung im letzten Jahr habe ich mich sehr gut erholt und denke schon fast gar nicht mehr daran. Krankenschwester ist mein Beruf, den ich liebend gerne ausübe.
Ich muss aber wirklich sagen, dass ich den größten Respekt vor diesem Virus habe. Man darf ihn auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen, das sehen wir jeden Tag.

Sie sprechen es an: Nach wie vor gibt es Menschen, die Corona stark relativieren, es gar für eine Erfindung halten oder es mit einer normalen Grippe vergleichen. Welche Gefühle haben Sie, wenn Sie dies hören oder lesen?
Bei echten Corona-Leugnern oder Menschen, die diesen Virus mit der „Grippe“ gleichsetzen, werde ich innerlich ehrlich gesagt sehr, sehr aggressiv! Dafür habe ich absolut kein Verständnis! Wenn ich könnte – und da bin ich nicht alleine auf meiner Station – würde ich diese Leute für nur ein oder zwei Tage mitnehmen und ihnen unsere Arbeit und vor allem unsere Patienten zeigen! Ich glaube, da wären viele von der Unsinnigkeit ihres Denkens geheilt! Noch mal: Corona ist gefährlich. Daran ändern auch die vielen Geschäftemacher nichts, die mit gegenteiligen Aussagen im Internet oder den Medien Kasse machen.

Dennoch werden insbesondere in Anbetracht der wirtschaftlichen Konsequenzen der Pandemiebekämpfung auch manche Schutzmaßnahmen infrage gestellt. Wie stehen Sie dazu?
Die wirtschaftliche Konsequenz ist bis jetzt noch gar nicht richtig absehbar. Mir persönlich geht es – gerade auch in meiner kommunalpolitischen Funktion − sehr nahe, wenn ich von Schließung oder Aufgabe von Läden oder Gaststätten hören muss. Aber trotzdem und so hart das ist: Die Schutzmaßnahmen sind absolut gerechtfertigt, es müssten sich nur alle konsequent daranhalten und tatsächlich die Kontakte bestmöglich einschränken. Es gibt leider noch genügend Menschen, denen sind diese Maßnahmen zwar nicht egal, sie suchen sich aber immer wieder ein „Schlupfloch“ um sich doch mit anderen Menschen zu treffen. Für mich ist dieses Verhalten nicht nur kurzsichtig, sondern mehr als egoistisch und letztlich gegen die Gesellschaft gerichtet.

Gab es hier auch private Erlebnisse und Diskussionen mit Coronaleugnern?
Ja, die gab es und gibt es noch immer. Wer mich kennt, der weiß, dass ich meine Meinung vertrete und Corona-Leugnern entschieden gegenübertrete.

Ein anderes Streitthema ist die Impfung: Sind Sie geimpft?
Ja, ich habe mich als Pflegekraft sofort impfen lassen. Für mich ist das ein wichtiger Schritt, um die Pandemie auszurotten. Angst vor Nebenwirkungen habe ich nicht, denn die Medizin und Forschung sind mittlerweile sehr weit fortgeschritten. Die bei uns im Einsatz befindlichen Impfmedikamente wurden zwar im Eiltempo, aber dennoch mithilfe wirklich außergewöhnlich großer Testreihen genehmigt und zugelassen. Zudem gibt es viele seriöse Fachveröffentlichungen, denen ich entnehme, dass hier niemand Angst haben muss.

Wie erklären Sie sich, dass die Impfbereitschaft unter dem medizinischen Personal derzeit geringer ist als erhofft?
Einige möchten sich wegen der kurzen Zeit, in der der Impfstoff auf dem Markt ist, nicht impfen lassen. Ich gehe aber davon aus, dass viele hier nach ersten positiven Erfahrungen noch nachziehen werden.

Was würden Sie sich generell von der Bevölkerung, aber auch von der Politik wünschen?
Ich wünsche mir von den Mitmenschen, dass wir bis zum Ende der Pandemie die AHA-Regeln umsetzen bzw. einhalten. Gemeinsam schaffen wir das Ausrotten dieser Pandemie. Von der Politik wünsche ich mir einheitliche und strukturierte Maßnahmen, damit wir uns auch darauf einstellen können.
Der Vorschlag aus Bayern, beim Einkaufen und im ÖPNV eine FFP2-Maske zu tragen ist ein guter Vorschlag. Allerdings ein Schnellschuss: Die Verteilung und Handhabung (wie lange darf ich sie tragen, ohne dass sie ihre Wirksamkeit verliert) dieser Masken sowie die Finanzierung (solche Masken sind nicht gerade billig) sind so gut wie gar nicht durchdacht worden. Gerade die ältere Bevölkerung ist momentan verunsichert.

Wir alle vermissen das soziale Leben, unsere schönen Hofer Feste, unsere Freunde, Sport oder Kultur. Das Schöne am Leben fehlt und viele träumen von der Rückkehr der Normalität. Auf was freuen Sie sich besonders, wenn irgendwann Corona als beherrschbar gilt und die Beschränkungen fallen?
Da ich ein sehr geselliger Mensch bin, freue ich mich heute bereits auf ein Treffen mit meinen Freunden und Bekannten in den beliebten Bierkneipen von Hof – und davon gibt es einige! Ich freue mich auf ein ausgelassenes Volksfest, auf einen stimmungsvollen Schlappentag und auf vieles mehr – auch Konzerte vermisse ich natürlich. Wir werden das alles wieder genießen – allerdings lege ich mich auf kein Jahr fest!

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

Das aktuelle Heft
Archiv