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April 2021

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    Hofer Wärschtlamänner: Andy Rochon



    Die Hofer Wärschtlamänner fei-
    ern heuer 150. Jubiläum: Seit dem
    Jahr 1871 sind sie in Hof unter-
    wegs und verkaufen ihre Wiener-
    la, Knacker oder Bauern. Viel hat
    sich in den 150 Jahren geändert,
    aber das Erscheinungsbild der
    Wärschtlamänner mit ihrem typi-
    schen Messingkessel und dem
    großen Korb für die Brötchen ist
    immer  gleich  geblieben.  Aus  An-
    lass des Jubiläums stellen wir die
    derzeit in Hof aktiven Wärschtla-
    männer in einer Serie vor. Weiter
    geht es mit Andy Rochon.


    Mitten in der Hofer Altstadt, genau gegenüber
    vom Juwelier Hohenberger, liegt der traditio-
    nelle Standplatz von Andy Rochon. In den vie-
    len Jahren, die er als Hofer Wärschtlamo hier
    zu finden ist, haben ihn weder der Baustellen-
    lärm des Kaufhof-Umbaus noch die Corona-
    Beschränkungen vertreiben können.
    Dabei sei die Tätigkeit als Wärschtlamo an-  Zu Andy Rochons Stammkunden gehört das Ehepaar Kirsch.   Foto: Köhler
    fangs  lediglich  als  Zwischenstation  gedacht
    gewesen,  erzählt  Andy  Rochon.  Der  gebürtige  Hofer  hatte   im benachbarten Zeitungsladen“, erzählt Andy Rochon. An die
    nach der Realschule zunächst eine andere Richtung einge-   Sprüche dieses Papageis kann sich sicher so mancher Hofer
    schlagen, nämlich eine Lehre als Einzelhandelskaufmann im   noch erinnern, unter anderem tönte er: „Ara hat dich lieb, willst
    Bereich Sport. Nach seiner Bundeswehrzeit als Panzergre-   du ein Geschenk?“
    nadier in Weiden arbeitete er in Ravensburg als Abteilungs-  Wenn Andy Rochon an die zurückliegenden 23 Jahre denkt,
    leiter Textil im Bereich „young fashion“. Es folgten berufliche   fallen ihm vor allem die vielen zwischenmenschlichen Kontak-
    Stationen in Landau und Pirmasens, und                                     te ein – zum Beispiel auch mit prominenten
    zwar  als  Assistent  der  Geschäftsleitung                                Politikern und Schauspielern während der
    und Einkaufsleiter. Später war er in Hof als                               Hofer Filmtage. Angenehme Begegnungen
    freier Handelsvertreter für die neuen Bun-                                 habe er abgesehen davon auch an jedem
    desländern tätig.                                                          einzelnen Tag mit seinen Kunden, und das
    Geplant wäre dann der Einstieg in das el-                                  mache ihn glücklich. Vom ersten Moment
    terliche Modegeschäft gewesen. „Aber wie                                   an habe er die Vorzüge seiner Arbeit als
    sich zeigte, wäre das zum damaligen Zeit-                                  Wärschtlamo geschätzt: „Ich bin an der
    punkt zu früh gekommen“, erinnert sich                                     frischen Luft, kann mir die Zeit frei eintei-
    Andy Rochon. Da er in Hof bleiben und                                      len, und der Kontakt mit den Leuten hat
    weiterhin  selbstständig tätig sein wollte,                                mir  immer  Spaß  gemacht.“ Auch  deshalb
    habe er, mehr aus Zufall, als Wärschtlamo                                  seien aus dem anfänglich nur als vorüber-
    angefangen. An seinen ersten Tag, den 15.                                  gehend geplanten Job schließlich 23 Jahre
    März 1998, kann er sich noch ganz genau                                    geworden. „Und wenn Gott will, werde ich
    erinnern: „Ich war vollkommen unerfahren                                   diese Tätigkeit bis zu meiner Einsargung
    und heizte den Kessel derartig ein, dass er sich deformierte.“   ausüben“, verspricht Andy Rochon augenzwinkernd.
    Die  Wärschtla  im  Kessel  seien  durch  die  Hitze  geplatzt  und   Dass bis dahin noch viele schöne Jahre vor ihm liegen, dessen
    nicht mehr zu erkennen gewesen. Als Lehre aus diesem Vorfall   ist er sich gewiss. Auch Corona kann ihm da die Zuversicht
    habe er noch in der Nacht des selben Tages daheim auf dem   nicht nehmen: „Mit Optimismus werden wir das überstehen“,
    Balkon mit dem Kessel so lange geübt, bis er den Dreh raus-  versichert er. Dem Hofer Einzelhandel wünscht er eine rasche
    gehabt habe.                                               Erholung. Und bei den Kunden bedankt er sich auch stell-
    Seinen ersten Standort suchte sich Andy Rochon in der Ma-  vertretend für seine Kollegen: „Es ist toll, dass die Hofer uns
    rienstraße. Nur einmal habe er seitdem gewechselt, und zwar   Wärschtlamännern auch in dieser außergewöhnlichen Zeit treu
    zu seinem heutigen Platz in der Altstadt. „Anfangs begleitete   sind. Bleibt gesund und haltet auch weiter zusammen, dann
    mich dort noch ständig die Stimme des künstlichen Papageis   können wir in eine gute Zukunft blicken.“   Manfred Köhler
                                                                                                                    3
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