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Januar 2021

    Nachruf



                                      Abschied von Dr. Hans Heun:



    Der „Vater des Untreusees“ ist tot. Alt-Ober-
    bürgermeister Dr. Hans Heun verstarb Anfang
    Dezember im Alter von 93 Jahren. Diese trau-
    rige Nachricht bewegt natürlich auch ProHof,
    schließlich hat Hans Heun „seine Stadt Hof“
    auf vielfältige Weise geprägt und gestaltet.
    ProHof-Vorstandsmitglied Rainer Krauß hat
    sich mit einem langjährigen Weggefährten, Leo
    Reichel, Verwaltungsdirektor der Stadt Hof a. D.,
    seit  Juni  2020  im  Ruhestand,  nun  ehrenamt-
    licher Stadtheimatpfleger, unterhalten.


    Wann haben Sie vom Tod Dr. Heuns erfahren?
    Die traurige Nachricht erreichte mich gleich am Vormittag des
    4. Dezember 2020, nur wenige Stunden nach Dr. Heuns fried-
    lichem Einschlafen in der vorangegangenen Nacht. Ihm war ein
    erfülltes und über 93 Jahre langes Leben vergönnt.

      Ehrenbürger und Altoberbürgermeister Dr. Hans Heun
      geb. 16.04.1927 in Hof - gest. 3.12.2020 in Hof

      •  Stadtrat von 1960 bis 1970, davon sechs Jahre lang Vor-
        sitzender der CSU-Stadtratsfraktion                                                        Foto: Hilmar Bogler
      •  Oberbürgermeister von 1970 bis 1988
      •  Mitglied des Bezirkstags und stellv. Bezirkstagspräsident   Wie war er als Chef und Vorgesetzter und wie als Mensch?
        von 1978 bis 1994
                                                               Ich lernte Dr. Heun gleich bei meinem Diensteintritt in die Hofer Stadt-
      Nach dem Abitur 1948 studierte er an der Hochschule in Nürn-  verwaltung im Jahr 1974 kennen. Da war er ja bereits seit vier Jahren
      berg Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Er schließt 1952   Oberbürgermeister und damit der oberste Chef der Verwaltung. Als
      als Diplom-Kaufmann ab. Von 1952 bis 1955 war er Vorstands-  junger Mitarbeiter, der in der Hierarchie der Stadt Hof damals noch
      assistent bei der Porzellanfabrik Schönwald. Im Jahr 1955 pro-  ganz unten stand, hatte ich natürlich einen „Riesen-Bammel“ vor
      moviert er zum Dr. oec. Von 1955 bis 1956 Studium und Ab-  ihm. Als er dann eines Tages, ich war gerade zur fachpraktischen
      schluss als Diplom-Handelslehrer. Am 01.09.1956 beginnt Dr.   Ausbildung im Verkehrsaufsichtsamt, ohne Vorankündigung plötz-
      Heun als Lehrer an der Städtischen Berufsschule in Hof. Am   lich persönlich vor mir stand und ein Anliegen wegen der Zulassung
      01.09.1968 wurde er Direktor der Städtischen Handelsschule.  seines neuen Autos hatte, brachte ich kaum ein Wort heraus. In den
      Die 18-jährige Amtszeit als Oberbürgermeister (1970 bis 1988)  Folgejahren legte sich meine „Angst“ recht schnell und ich merkte,
      wird u. a. wie folgt geprägt:                            dass er als Chef jemand war, der einerseits ganz klare Vorgaben
      •  Eingemeindung von Unterkotzau, Eppenreuth, Pirk und Os-  machte, Leistung einforderte, andererseits als Mensch aber auch
        seck (1972),                                           Mitarbeiter förderte, wenn er diese als engagiert erkannte.
      •  Einweihung der Freiheitshalle (1974),
      •  Schulzentrum am Rosenbühl wird 1975 seiner Bestimmung   Was ist Ihnen besonders von Dr. Heun in Erinnerung geblieben?
        übergeben,
      •  Eingemeindung von Leimitz und Jägersruh (1977),       Deutlich und amüsiert erinnere ich mich noch an einen Vorfall
      •  Eingemeindung von Haidt und Wölbattendorf (1978),     im Jahr 1987, der eine riesige Debatte in der Öffentlichkeit nach
      •  Einweihung des neuerrichteten „Q-Bogens“ und Michaelis-  sich zog: Bei einer großen überregionalen Verbandstagung in
        brücke (1980),                                         der Freiheitshalle wurde Oberbürgermeister Dr. Heun als Haus-
      •  Einweihung Untreusee (1981),                          herr wohl etwas „spitzig“ und von mehreren Seiten auf die im
      •  Aufnahme Lehrbetrieb am 01.10.1975 der Bayerischen    Hallenfoyer  aufgebaute  Kunstausstellung  angesprochen.  Hier-
        Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspfle-  bei handelte es sich um recht abstrakte Objekte aus mit schwar-
        ge in Bayern und Richtfestfeier 1982,                  zer Farbe besprühten Plastikfolien. Kurzerhand ließ der offenbar
      •  Eröffnung des neugestalteten Freibades (1983),        zutiefst genervte Oberbürgermeister Dr. Heun sofort diesen ver-
      •  Ausbau der vierspurigen Ernst-Reuter-Straße,          meintlichen „Müll“ durch den Bauhof entfernen und zur Deponie
      •  Altstadt und Lorenzstraße werden Fußgängerzone (1986),   bringen. Der Stadt Hof brachte dies neben einer erhitzten öf-
      •  Ausbau des Flugplatzes mit Landebahnverbreiterung, Bau   fentlichen Diskussion um „Kunst“ auch noch eine gerichtliche
        eines Abfertigungsgebäudes mit Restaurant und Werfthalle   Schadenersatzklage ein. Aber so war er halt, was er sich in den
        sowie Neubau der 1200 Meter langen Start- und Landebahn.  Kopf gesetzt hatte, setzte er auch kompromisslos um.
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