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Dezember 2018

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    Philosophiestudent und Lyriker



                                       er im September 2015    tigenden Themen, die von Walfang über Polygamie bis hin zur
                                       nach einem Sabbat-      Auszeit in den Bergen reichen, in der gesamten ersten Hälfte
                                       Jahr ein Studium in     des Büchleins in beinahe naiv anmutenden, fabelhaften Tier-Ge-
                                       Hildesheim aufgenom-    dichte, bevor er im zweiten Teil über „Menschen und anderes“ in
                                       men,  das   Geistes-    längeren, nachdenklicheren Formen schreibt.
                                       wissenschaft,  Kunst,   „Die Tiere sind am Anfang, vor fast zehn Jahren, einfach aufge-
                                       Kultur und  Film mitei-  taucht und ich habe mit riesen Lust angefangen zu schreiben“,
                                       nander verbindet.  Im   erinnert sich der Poet, der es versteht, Tiefgründiges in ganz
                                       Rahmen dieses Mas-      leichte Gedichte zu kleiden. „Oft fragen mich die Leser oder Zu-
                                       ter-Studiums erforscht   hörer: In dem Gedicht geht es doch um dies oder jenes, oder?
                                       er nun das  „Automati-  Aber die Themen sind mir oft selbst nicht klar!“, erzählt Fabian
                                       sche Schreiben“ – nicht   Riemen. Da er auch seine Gedichte im oben beschriebenen
                                       zuletzt angetrieben von   halbbewussten Zustand schreibt, drängen sich dem Schreiber
                                       ganz    persönlichem    selbst oft erst im Nachhinein, beim erneuten Lesen Fragen auf,
                                       Interesse: „Meine Lie-  die Sinn und Inhalt betreffen. Nicht er sagt etwas aus, sondern
                                       der und Gedichte ent-   die Texte selbst, erklärt der Dichter. „Aber es beglückt mich, et-
                                       stehen alle in einem    was geschaffen zu haben, womit andere etwas verbinden kön-
                                       Zustand, der mir nicht   nen“, sagt Fabian Riemen – und lässt auch nach einer guten
                                       genau bewusst ist. Das   Stunde Gespräch weder in der Intensität seiner Antworten, noch
                                       sind Phasen, in denen   im Interesse für sein fragendes Gegenüber nach. Christine Wild
                                       ich mich langweile, der
                                       Übergang vom Tag zur
    Fabian Riemen: Schauspieler, Mu-   Nacht – oder wenn zu       Schon gewusst...?
    siker, Philosophiestudent und jetzt   wenig Kaffee da ist!“,
    auch Lyriker    Foto: felixgiese.de  erzählt Fabian Riemen.
                                       In anderen Kulturen        Zusammengetragen von Sonja Wietzel-Winkler
    kennt und benennt man diesen Zustand; er selbst hat ihn für                      Folge 36
    sich kultiviert. Aber es fehlt dafür in Deutschland nicht nur der
    Begriff, sondern auf weitem Feld auch das Verständnis. „Dem
    automatischen Schreiben haftet bei uns immer so ein esoteri-
    scher Touch an, dabei erzählen viele Schreiber, wenn man sie
    danach fragt, dass auch sie diesen fast unbewussten Zustand
    kennen und zum Schreiben nutzen. Ich erforsche dieses Phäno-                                               sind alle Folgen nachzulesen.  Auf www.wietzel-winkler.de
    men, weil ich das, was ich mache, auch mal benennen können
    möchte, ohne als Esoteriker zu gelten!“
    Denn  obwohl  der  Musiker,  Literat,  Schauspieler,  Pädagoge,
    Filmproduzent und Philosoph sich sehr viele Gedanken über die
    Welt, seine Mitmenschen und sein eigenes Dasein macht, al-
    les reflektiert und hinterfragt, sprudeln aus ihm Songs und Texte   1. Direkt neben dem Lettenbachsee gab es früher eine Schre-
    heraus, die alles andere sind als esoterisch – sicherlich als Fol-  bergartenanlage. Auf dem Bild sehen Sie drei auffällig neben-
    ge der Bodenständigkeit, die er aus der Großfamilie mitgenom-  einanderstehende Bäume, die einmal ein Besitzer so eines
    men hat: „Mein Onkel hat immer gesagt, dass man jeden Tag     Schrebergartens - 1972 beginnend - für seine drei Kinder
    mindestens eine Stunde an der frischen Luft arbeiten soll – und   Alfred, Harry und Detlef (von links) gepflanzt hatte. An Detlefs
    das stimmt!“, so der Künstler. Auch spielt er „lausig, aber be-  Baum finden wir heute einen Wegweiser für den heuer eröffne-
    geistert“ Fußball, wie er von sich selbst sagt. „Und ich springe   ten Geopfad.
    am liebsten in der 60. Minute ein, wenn meine Mannschaft 3:1
    zurückliegt!“, bekennt er mit einem Schmunzeln. Fabian Riemen   2. Wenn Sie die Stadtverwaltung in Hof anrufen und Sie weiter-
    liebt die große Herausforderung, läuft in Extremsituationen zu   vermittelt werden, hören Sie in der Zwischenzeit ein angeneh-
                                                                  mes Klassikstück, das von den Hofer Symphonikern gespielt
    Hochform auf.                                                 wird. Es handelt sich hierbei um das Konzert für Klavier und
    Mitte November erschien sein Lyrikband „So wie jener lebt und   Orchester Nr. 23 A-dur KV 488 III. Allegro assai von Wolfgang
    jener nicht“. Genau wie in seinen Songtexten hält Fabian Rie-  Amadeus Mozart.
    men in kurzen und längeren Gedichten des  frisch-fantasievoll
    von Katerina Kalaceva illustrierten Bändchens mit ganz per-   3. Vor der Gebietsreform 1971/1978 hatte der damalige kleinere
    sönlichen Gedanken nicht hinterm Berg: im Gewand witzig-ge-   Landkreis Hof 40 Gemeinden! Beispielsweise waren Autengrün,
    reimter Gedichte, die fast an die Verse von Joachim Ringelnatz   Brunnenthal, Fattigau, Förbau, Haidt, Isaar, Leimitz, Lipperts,
    erinnern. Wie er verpackt auch Fabian Riemen die ihn beschäf-  Schnarchenreuth, Tauperlitz, Unterkotzau, Vierschau oder Zedt-
                                                                  witz noch selbstständig. Diese 11 Gemeinden des damaligen
                                                                  Landkreises sind bis heute selbstständig geblieben: Berg, Döh-
      Erhältlich ist der 80 Seiten starke Gedichtband „So wie jener   lau, Feilitzsch, Gattendorf, Köditz, Konradsreuth, Leupoldsgrün,
      lebt und jener nicht“ (ISBN 978-3-00-060995-4) im Buchhan-  Oberkotzau, Schwarzenbach a.d.Saale, Töpen und Trogen. 1
      del und direkt bei Fabian Riemen unter www.fabian-riemen.
      de zum Preis von 12,— Euro.
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