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Juni 2019

    Dekanatsreise



    Flusskreuzfahrt in Südfrankreich



    Wäre ich eine Malerin, wären die imponierenden Schluchten der
    Ardèche ein so großartiges Motiv, das ich gerne einfangen und
    verewigen wollte.
    Wäre ich eine Komponistin, hätten mich die nicht enden wollen-
    den Lavendelfelder zu einer nachhaltigen Melodie inspiriert.
    Wäre ich eine Schriftstellerin, hätte mich das noch sehr ur-
    sprüngliche Land an der Rhone mit seinen knorrigen, auf dem
    flachen Boden wachsenden Weinreben, seinen majestätischen
    Charolaisrindern und den kleinteiligen Äckern und Wiesen einen
    Roman schreiben lassen.
    Wäre ich eine Sängerin, hätte ich mit einem Lied das Lebens-
    gefühl und die melancholische Stimmung interpretiert, die das
    Leben im Süden Frankreichs einem nach kurzer Zeit vermittelt.

    Savoir-vivre,  der  französische  Begriff  bedeutet  wörtlich  „ver-
    stehen, zu leben“. Acht Tage durfte die 53-köpfige Reise-
    gruppe des Dekanats Hof (Foto oben bei den Schluchten der
    Ardèche) die Lebenskunst mit allen Sinnen genießen: bei vor-
    züglichem Essen, mit inspirierender Landschaft, mit sehr alter
    Geschichte. Essen in mehreren Gängen verschafft ein nach-
    haltiges Wohlgefühl und wenn das zweimal am Tag passiert,
    endet dieses Gefühl auch nicht. Wein aus der Region dazu und
    schon wird das Sprichwort „Leben wie Gott in Frankreich“ zur
    Wirklichkeit.
    Dass Vincent van Gogh in Arles die bekannten Sonnenblumen-
    bilder malte und mit insgesamt 167 Bildern in nur wenigen
    Monaten außerordentlich produktiv war, verwundert nicht – die
    Gegend ist eine Inspirationsquelle.
    Die angrenzende Camargue mit ihren weißen Pferden und den
    Flamingos – Postkartenidyll pur.
    Gewaltig und voller Geschichte, der Papstpalast in Avignon.
    Er war zwischen 1335 und 1430 die Residenz verschiedener
    Päpste und Gegenpäpste. Der Palast gehört mit der Altstadt
    zum Weltkulturerbe. Und natürlich die viel besungene Brücke
    (2. Foto von oben), die am interessantesten am Abend wirkt,
    wenn sich ihre Schatten in der Rhône spiegeln.
    Lyon (Foto unten) liegt am Zusammenfluss von Rhône und
    Saône. Im Zentrum wird die 2000-jährige Geschichte der Stadt
    erlebbar. Zu verdanken ist das dem Glück oder dem Zufall,
    dass diese Stadt von größeren Zerstörungen  verschont wur-
    de. So darf Altes neben Neuem sein, was für Besucher einen
    besonderen Reiz ausmacht.
    Der  Pont  du  Gard  (3.  Foto  von  oben)  zählt  zu  den  wichtigs-
    ten erhalten gebliebenen Brückenbauwerken der antiken römi-
    schen Welt und ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkei-
    ten Südfrankreichs. Das Aquädukt ist beachtliche 2000 Jahre
    alt  und  beeindruckt  mit  seiner  Höhe  und  der  monumentalen
    Ausprägung. Höchsten Respekt zollt man den Baumeistern je-
    ner Zeit.
    Taizé mit seinen rund 200 Einwohnern liegt etwa zehn Kilometer
    nördlich von Cluny und hat seine Bekanntheit wegen des inter-
    nationalen ökumenischen Männerordens erlangt. Erstaunt ist
    man beim Besuch über die vielen hundert zumeist jungen Men-
    schen aus aller Herren Länder, die an einem „normalen“ Montag
    an dem in den Bergen versteckten Ort zu Gast sind und eine
    Zufriedenheit und Zuversicht ausstrahlen, die ansteckend wirkt.
    Es macht den Anschein, als müsse man nach einer solchen
    Reise Urlaub machen. Weit gefehlt. Die Fortbewegung auf dem
    Wasser mit vorbeiziehender abwechslungsreicher Natur ver-
    langsamt und hilft, die vielen neuen Eindrücke setzen zu lassen.
    Südfrankreich – ein wunderbares Stückchen Erde, das es lohnt,
    besucht zu werden.                Anke Bogler, Fotos: GS
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